Dem Geißler-Ausschuß, der eine Gesetzesnovelle zum Wehrersatzdienst vorbereitet hat, sollte immerhin zugute gehalten werden, daß er endlich Schluß machen will mit diesen beschämenden „Gewissensprüfungen“. Aber der Entwurf gibt sonst wenig Anlaß, darauf stolz zu sein. Es wird erlaubt, die Gewissensentscheidung schriftlich zu begründen. Gewissensentscheidungsbegründungshelfer werden dann gute Geschäfte machen. Schlimm, wenn sie versagen, denn: „Ein Antrag ist abzulehnen, wenn die Begründung der Gewissensentscheidung den Antrag nicht rechtfertigt.“ Eben noch hinausgeworfen, kommt die Gewissensprüfung zur Hintertür wieder rein.

Schlimm ist auch, daß die Gewissensprüfung bleiben soll für alle bereits Dienenden oder zum Wehrdienst Einberufenen, ein Siebtel der Antragsteller.

Und höchst fragwürdig ist der Versuch, den Ersatzdienst „lästiger“ zu machen, indem man ihn um ein Drittel länger macht als den Wehrdienst.

Im Grundgesetz steht: „Die Dauer des Ersatzdienstes darf die Dauer des Wehrdienstes nicht überschreiten.“

Die Sorge, junge Männer könnten sich ein Gewissen daraus machen, den bequemeren, ungefährlicheren, zivileren Ersatzdienst zu wählen, ist ebenso weit verbreitet wie wenig berechtigt. Die Leistungen der „Zivildienstler“ werden überall dort, wo sie bekannt sind, lobend anerkannt.

Natürlich dürfen sich die jungen Soldaten nicht verschaukelt vorkommen. Die Belastungen, die jeder Dienst für die Gemeinschaft dem einzehen auferlegt, müßen gleich verteilt werden. Es ist jedoch zu fragen, ob es dafür denn wirklich nur diese eine Möglichkeit gibt, nämlich die, den Zivildienst „lästiger“ (also zum Beispiel: länger) zu machen. Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Wehrdienst weniger enervierend und weniger stumpfsinnig, also attraktiver zu machen??

Leo