Vorbehalte eines Philologen gegen den modernen Fremdsprachen – Unterricht

Von Heinz Wittmann

Junge Menschen, die man in den letzten Jahren oft fehlgeleitet hat, das Lernen zu lehren, wäre ein Akt echter Humanisierung. Diese Grunddisziplin schulischer Arbeit käme allen Fächern zugute, an erster Stelle dem lernintensiven Sprachunterricht.

Schon vor 25 Jahren war Englisch einheitlich in allen deutschen Ländern erste Fremdsprache geworden, womit man dem Primat der englischen Sprache, der Weltsprache von ständig wachsendem Einfluß auf allen Gebieten, Rechnung trug. Die so geschaffene Sprachenfolge entsprach den politischen Realitäten. Schon wenig später hat sich diese vom Politischen her verständliche Entscheidung, pädagogisch gesehen, als nachteilig erwiesen. Man unterlag dem Wahn, Englisch sei, da dem Deutschen verwandt, besonders leicht zu lernen. Dabei übersah man, daß einer ersten Fremdsprache in jedem Fall Leitcharakter zukommt, weil richtiges Lernen, wenn überhaupt, hier und jetzt gelernt werden muß, soll sich in den später einsetzenden Fremdsprachen Erfolg einstellen, Englisch als erste Fremdsprache soll also für Französisch oder Latein das Fundament legen, das sprachliche Denken schulen, das Verständnis für Grammatik wecken.

Diesen Aufgaben steht die formale Armut des Englischen im Wege. So wird, um nur ein Beispiel zu nennen, im Präsens allem die dritte Person Singular verändert, und im Imperfekt sehen sogar alle Formen gleich aus – ganz im Gegensatz zu Französisch und Latein. Dem Kind, das von der Muttersprache her noch kein Gefühl für Grammatik und Syntax hat, ist das Englische wenig hilfreich. Dieses Versäumnis findet satt im besten Lernalter. So profitieren Französisch und Latein, die in der Regel später einsetzen, nicht nur nicht vom Englischunterricht – sie leiden darunter.

Bildungspolitiker sahen im Hinblick auf ihr soziales Anliegen großzügig über das Problem hinweg. Ihnen ging es um eine gemeinsame Basis, die der Forderung nach einer für alle gemeinsamen Ausgangsposition gerecht wurde. Unter sozialen Gesichtspunkten kam es deshalb zur Schaffung von Übergangsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Schultypen, zur Einrichtung der Orientierungsstufe, die durch Zusammenfassung der 5. und 6. Klasse den Schülern gestattete, auf jeden Fall zwei Jahre lang an der höneren Schule zu verbleiben, und des Ergänzungsunterrichts in der Form einer zusätzlichen Wochenstunde für besonders schwache Schüler. Bei den neuen Sprachlehrbüchern gab es schwerwiegende Veränderungen. Tragen die neugeschaffenen Werke wenigstens der Forderung nach Chancengleichheit für alle Rechnung? Bringen sie den gewünschter Unterrichtserfolg? Dazu ist etwas auszuholen.

Wie lernt man Sprachen?