Der Duft von Plätzchen und frischem Fettgebäck liegt an den Wochenenden vor Weihnachten über Hjerl-Heide. Das Freiluftmuseum in dem 1000 Hektar großen Naturschutzgebiet bei Skive unweit der jütländischen Nordseeküste ist ansonsten im Winter geschlossen. Weil man aber den Advent nach Meinung vieler Dänen nirgendwo schöner feiern kann als in dem verschneiten Dorf, wird es für wenige Tage wieder geöffnet. Dann zuckelt der Pferdeschlitten vorbei an schmucken Bauernhäusern, an der Mühle, der Töpferei und der Kirche, dann stößt die alte Dampfsäge weiße Wolken in den blauen Winterhimmel, dann füllt der Krämer hinter seiner ehrwürdigen Theke wieder bunte Bonbons in handgerollte Papiertüten, und in den Backöfen brutzeln die Leckereien. Das Dorf verdankt seine Existenz dem Kaufmann H. P. Hierl-Hansen, der mit seiner Sibirischen Handelsgesellschaft offenkundig viel Geld verdiente und sich davon um 1910 das Heideland erwarb. Bereits 1931 ging der Besitz in die Hjerl-Stiftung über und wurde unter Naturschutz gestellt. Heute hat das Dorf über vierzig Gebäude, die aus dem gesamten dänischen Königreich zusammengetragen wurden. In den Werkstätten und alten Handwerksbetrieben arbeiten während der Öffnungszeiten des Museums junge Leute nach den Methoden und mit den Instrumenten ihrer Vorfahren. Wer noch weiter zurück will, kann in einem Steinzeitlager leben wie die Urahnen – diese Exkurse sind allerdings nur im Sommer möglich.