Zum zweiten Mal in diesem Jahr scheiterte der Versuch, in der libyschen Hauptstadt Tripolis die Gipfelkonferenz der "Organisation für Afrikanische Einheit" (OAU) einzuberufen.

Die Staatschefs der afrikanischen Länder hatten voriges Jahr in Nairobi beschlossen, 1982 in Libyen zu tagen. Damit wäre der Vorsitz der OAU satzungsgemäß auf den Gastgeber, Oberst Muamman Ghaddafi, übergegangen.

OAU-Gipfel sind nur beschlußfähig, wenn zwei Drittel der 51 Mitgliedsstaaten vertreten sind. In früheren Jahren war das unproblematisch. Im August dieses Jahres, beim ersten Anlauf in Tripolis, kam das Quorum wegen des Streites um die Republik Westsahara nicht zustande. Zahlreiche afrikanische Staaten erkennen die von Algerien unterstützte Befreiungsbewegung Polisario als Vertretung des ehemals spanischen Gebiets an, das König Hassan von Marokko als Teil seines Staatsgebiets betrachtet. Eine konservative Minderheit weigerte sich aber, die Aufnahme der Polisario-Leute in die OAU hinzunehmen. So platzte der erste Termin für den Gipfel.

Dieses Hindernis war beseitigt, als sich die Außenminister von 44 OAU-Staaten drei Monate später erneut in Tripolis trafen. Die Befreiungskämpfer der Polisario hatten auf ihre Teilnahme verzichten müssen – offensichtlich war vielen ihrer Freunde die Rettung der afrikanischen Dachorganisation wichtiger als der Westsahara-Konflikt.

Dafür stellte sich ein neues Problem als vorerst unüberwindbar heraus: Die Außenminister konnten sich nicht einigen, wer den seit Jahren von einem Bürgerkrieg heimgesuchten Tschad vertreten sollte. Die Mehrheit der OAU-Mitglieder sprach sich für Hissen Habre aus, der seit Juni wieder den größten Teil des Landes unter Kontrolle hat. Die Libyer erklärten jedoch, die Sicherheit ihres Feindes Habre in Tripolis nicht garantieren zu können; sie wollten den OAU-Sitz ihrem Schützling Gukuni Weddei sichern, der mit Hilfe libyscher Truppen immer hoch einen Teil des Tschad kontrolliert.

Dem noch amtierenden OAU-Präsidenten, Daniel arap Moi aus Kenia, gelang kein Kompromiß. Nach der Abreise mehrerer westafrikanischer Delegationen, denen offenbar daran gelegen war, Ghaddafis Übernahme der OAU-Präsidentschaft zu verhindern, benutzte der Libyer die inoffizielle Rumpfkonferenz zu wütenden Angriffen auf seine Gegner, vor allem auf die USA und Frankreich, denen er die Schuld am Scheitern des Gipfels ankreidete.

Das Fiasko von Tripolis paßt Ghaddafi oder auch seinen geschworenen Gegnern vielleicht ins taktische Kalkül. Sollte sich die OAU jetzt jedoch in zwei feindliche Organisationen spalten, würde das blockfreie Afrika noch mehr als heute Schauplatz des Ost-West-Konflikts. HJG