Der Deutsche Hilfsverein unterstützt gestrandete Drogensüchtige

Von Klaus Pokatzky

Amsterdam

Draußen regnet es seit Stunden. Hier drinnen ist es warm und trocken, gibt es Kaffee und Tee. Zigarettenqualm sorgt für dünnen Nebel. Man sitzt um einen runden Tisch oder hockt in der Sesselecke, liest Comics und Illustrierte, redet viel miteinander. Die Gespräche kreisen um das eine: Stoff und Scene und Spritze – und wie man davon runterkommt. Wir sind in Amsterdam, Kerkstraat 240 a, beim "Deutschen Hilfsverein" – der einzigen Anlaufstelle für rauschgiftsüchtige Deutsche in der holländischen Metropole,

Das Zimmer im Erdgeschoß ist vielleicht 15 Quadratmeter groß, zehn junge Frauen und Männer sind da. In Abständen wird einer nach oben es Bewährungshelfer, Drogenberater, Mütter und Väter in Bochum, Bielefeld oder Berlin, die kurz vorher um Rückruf gebeten wurden. Jochen redet laut auf seine Bewährungshelferin am anderen Ende in Düsseldorf ein: "Nächsten Montag mach’ ich wieder Urinprobe. Dann kannst du das zu den Akten nehmen. Für die Bewährung. Ich hab’ schon vier Tage nicht mehr gespritzt," Statt des-, sen bekommt er jetzt Methadon, Pillen, die die Entzugserscheinungen mildern, zugleich aber eine neue Abhängigkeit von der Pharma-Chemie schaffen: "Ich bin von 50 Methadon runter auf zehn. Bald packe ich sogar acht. Ich komm’ da runter." In der Bundesrepublik bekommen die Rauschgiftsüchtigen kein Methadon, viele von ihnen gehen allein deswegen nach Holland, wo man seit Jahren in der Drogentherapie damit arbeitet,

Jochen ist 26 Jahre alt und gelernter Auto-Mechaniker. Daheim hat er "eine Bewährung offen": Er ist wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmitge gehört, daß er eine Therapie macht, um vom Heroin loszukommen. Bisher hat er das nicht gepackt; er ist rückfällig geworden, hat wieder gespritzt, ist aus der Bundesrepublik abgehauen – nach Amsterdam.

Hier, so hat er geglaubt, findet er leichter einen Job, kann sich eher wieder fangen. Als er aber gemerkt hat, daß das ehemalige Drogenparadies heute alles andere als paradiesisch ist, daß der Stoff hier nicht billiger ist als in Düsseldorf und die Arbeitslosigkeit noch höher, und daß man sich da als Ausländer allenfalls noch durch Strich oder Klauen durchschlagen kann, hat er sich entschlossen, lieber wieder zurückzugehen.