Von Günter Haaf

Elbfischer Heinz Oestmann ging unter die Maurer. Vor den Augen und Objektiven eilends per Barkasse herangefahrenen Journalisten vermauerte er am Donnerstag vor zwei Wochen ein Abwassersiel nahe der Argentinienbrücke im Hamburger Hafen.

Der Verschlußakt, wiewohl von der Polizei rasch beseitigt und angeblich an einem Regenwasser-Einlauf ausgeführt, war mehr als die Verzweiflungstat eines der zehn letzten Hamburger Elbfischer: Es war sicht- und begreifbarer Auftakt einer neuen Kampagne des von Oestmann begründeten Förderkreises "Rettet die Elbe". Es war aber auch Wahlkampfauftakt des Bürgerschaftskandidaten Oestmann, der am 19. Dezember als Vertreter der Grün-Alternativen Liste (GAL) ins Hamburger Rathaus einziehen möchte.

"Selbsthilfe" gegen die Ausflüsse der "Giftmischer" (GAL-Wahlplakat) war am Montag darauf eines der Hauptstichworte bei einer Anti-Elbdreck-Fete, zu der der Förder-Kreis in die Hamburger "Fabrik" geladen hatte. Das andere Stichwort lautete: "Prozeß machen". Am Morgen nach dem Tribunal reichte Förderkreis-Anwalt Michael Günther bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht Hamburg Strafanzeige gegen zwei Firmen, zwei Behörden und "Unbekannt" ein: gegen "Verantwortliche" der Norddeutschen Affinerie und der Firma Johann Haltermann sowie gegen "verantwortliche Amtsträger" der Hamburger Baubehörde ("insbesondere der Hauptabteilung Stadtentwässerung") und der Behörde für Bezirksangelegenheiten, Naturschutz und Umweltgestaltung, kurz BBNU ("insbesondere der Abteilung für Wasserwirtschaft und Gewässeraufsicht").

Den Firmen werfen die Förderkreis-Anwälte vor, was Messungen der Umweltgruppe Physik/Geowissenschaften der Hamburger Universität ergaben: "illegale Einleitungen" hochgiftiger Abwässer, die vor allem mit Schwermetallen belastet sind. Die Baubehörde wird beschuldigt, "in großem Umfang illegal kommunale Einleitungen" vorzunehmen, die "hauptverantwortlich sind für die ständig wiederkehrenden Fischsterben, mitverantwortlich für die Schwermetallbelastung der Elbfische sowie für die Gefährdung elbnaher Trinkwasserbrunnen".

Die wohlhabende Hansestadt leitet ihre Abwässer aus einigen südlichen Stadtteilen völlig ungeklärt in die Elbe. Und die Einleitungen der Klärwerke sind völlig unzureichend gesäubert. Besonders pikant ist die Enthüllung, daß Hamburgs größtes Klärwerk Köhlbrandhöft seit zwanzig Jahren täglich 367 000 Kubikmeter Abwasser – genug, um das Volksparkstadion zweimal zu füllen – in den schwarzbraunen Strom pumpt, ohne die vom Wasserhaushaltsgesetz vorgeschriebene Erlaubnis zu besitzen. Die Stadt, so folgern die Umweltschützer, ist "der größte illegale Einleiter".