Arbeitsamt und Wirtschaft vermitteln Jugendlieben Einblicke in die Arbeitswelt

Morgens um elf herrscht qualvolle Enge. Ein Heer von Schülerinnen und Schülern wälzt sich durch die Westfalenhalle 3 in Dortmund. Mit Bussen sind sie herangefahren worden, eingeladen vom Dortmunder Arbeitsamt und vom Regionalkreis Dortmund des Bundesverbandes Junger Unternehmer (BJU). Sie nehmen teil an der Veranstaltung "Beruf konkret", die ihnen einen ersten Überblick über ihre künftige Arbeitswelt verschaffen soll.

Fast 15 000 Jungen und Mädchen – und damit dreißig Prozent mehr als ursprünglich erwartet – haben nach Schätzungen des Dortmunder Arbeitsamtsdirektors Ehrenfried Kulozik an dieser Veranstaltung teilgenommen. Und die Unangemeldeten sorgten denn auch dafür, daß der "minuziös ausgearbeitete Plan" ab und zu ins Wanken geriet, daß die Information im Gedränge und Geschiebe gelegentlich zu kurz kam.

Aber das waren Pannen, die den Wert der Veranstaltung kaum minderten. Die meisten Schüler waren froh, etwa sechzig Berufe praxisnah kennenzulernen. Fliesenleger, Goldschmiede, Maurer, Maschinenschlosser, Friseure und Schreiner werketten an ihren Arbeitsplätzen. Und der Stand des Photostudios Christel Leinen belebte sich sehr plötzlich, als eine Schülerin fragte: "Wird man hier Photographien?" Die Frage wurde zwar verneint, aber sofort kam die Standbesetzung mit den Jugendlichen ins Gespräch.

Arbeitsamtschef Kulozik schätzt an der Veranstaltung ganz besonders, daß die künftigen Lehrlinge die Möglichkeit haben, sich ihren potentiellen Arbeitsplatz anzusehen. Kulozik meint, daß der Besuch in der Westfalenhalle den Schülern einen weit besseren Einblick in die Arbeitswelt verschafft als jede andere mündliche oder schriftliche Information. Und aus den Erfahrungen von "Beruf konkret" in den vergangenen zwei Jahren weiß er, daß sich viele Schüler später bei den Beratungsgesprächen im Arbeitsamt auf die Eindrücke bei. dieser Veranstaltung beziehen.

Eingeladen werden Schüler der neunten und zehnten Klassen, die im nächsten Jahr die Schule verlassen. Wie sie sich dann auf die Veranstaltung vorbereiten, liegt allerdings vorwiegend an ihren Lehrern. Einige beschränken sich darauf, die Juendlichen zur Westfalenhalle zu begleiten, andere bereiten ihre Schuler intensiv auf den ersten Kontakt mit der Berufswelt vor. Da werden dann, so berichtet ein Berufsberater des Arbeitsamtes, Fragebögen für ganz bestimmte Fachgruppen vorbereitet, es werden Rollen innerhalb der Klasse verteilt, die einzelnen Schülergruppen bestimmte Aufgaben zuweisen. Hinterher müssen sie in der Klasse über das berichten, was sie in Erfahrung gebracht haben – die Vorstellungen der Schüler über die Arbeitswelt werden so vertieft.

Eine dieser vorbereiteten Klassen tauchte in der Diskussionsrunde "Junge Unternehmer stellen sich" auf. Gezielte Frage: "Wie wichtig ist die Fachnote in Englisch bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz im Handwerk?" Die Antwort von Gabriele Lessmann, Geschäftsführerin eines Handwerksbetriebs löste Erleichterung aus: "Gleich null."