Die Branche steckt tief in der Flaute; der Aufschwung, den man ihr weissagt, läßt sich noch immer erst erahnen. Und doch gibt es gescheite Leute, die sich schon jetzt den Kopf über eine womöglich alsbald bevorstehende Überhitzung der Baukonjunktur zerbrechen. Solche Befürchtungen und Warnungen, zuletzt auch vom Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ausgesprochen, mögen verfrüht erscheinen.

Doch auch im Bonner Wohnungsbauministerium, dessen Chef Oscar Schneider den Wohnungsbau ganz entscheidend ankurbeln will, ist man dafür empfänglich. Gewiß, noch kommen bei Ausschreibungen für den Bau öffentlicher Bauten nicht selten Angebote unter dem Niveau des vergangenen Jahres herein. Doch das kann sich schnell ändern. Es sei, so hat es auch der wirtschaftspolitische Sachverständigenrat jüngst in seinem neuen Jahresgutachten formuliert, „nicht das erste Mal, daß in einer Baurezession bereits die Probleme eines folgenden Aufschwungs angelegt sind.“

Auch von daher mag man sich, wie es ja auch der Sachverständigenrat kritisch tut, fragen, ob nicht für die Bauwirtschaft, nachdem man sie zuvor mehr und mehr hatte verkommen lassen, nun plötzlich des Guten zuviel getan wird. Immer wieder ist diese Branche in den vergangenen Jahren zwischen tiefer Depression und heißer Konjunktur hin und her gependelt. In letzterem Falle, wenn bei ausgelasteten Baukapazitäten die Baupreise immer schneller davoneilten, war alsbald auch die gesamtwirtschaftliche Stabilität in Gefahr.

Noch aber ficht das den emsigen Minister Schneider nicht an. Mit ihm und um ihn herum wird unentwegt getagt, wird die „schnellste Verwaltungsvereinbarung aller Zeiten“ (zur Vereinheitlichung der Vergabe von Zinssubventionen für Bauspar-Zwischenkredite) aus dem Boden gestampft, lädt man führende Kommunalpolitiker oder, wie in diesen Tagen, die Präsidenten der kreditwirtschaftlichen Verbände wie Harald Kühnen (Banken), Helmut Geiger (Sparkassen), Hans Günther Schönmann (Hypothekenbanken) und Walter Englert (Bausparkassen), ins Haus. Der Packen wir’s-an-Stil der neuen Bundesregierung wird, so scheint es, im Bauministerium besonders eifrig praktiziert, und man kann nur hoffen, daß nicht allzu fest zugepackt wird.

Übrigens wird in der schon erwähnten kritischen Studie des Ifo-Instituts auch bedauernd darauf hingewiesen, daß die Bundesregierung keine Maßnahmen zur Dämpfung der Bodenpreise ergriffen habe. Der Leser erinnert sich: Die alte Bundesregierung hatte eine solche Dämpfung angestrebt. Mit ihrer sogenannten „Bauland-Novelle“ hatte sie, unter anderm durch höhere Einheitswerte für Bauland, einen Druck auf Grundstücksbesitzer ausüben und damit den Grundstücksmarkt etwas mehr ausgleichen wollen. Diese Novelle aber hat den Machtwechsel nicht überlebt, und so mag es überraschen, daß nun ausgerechnet das politisch eher konservative Ifo-Institut den konservativen Bauminister auf die Vorzüge der Überlegungen seines Vorgängers Dieter Haack hinweist.

Freilich will auch Schneider etwas zur Dämpfung der Grundstückspreise beitragen – nach den 6. März, wenn ja überhaupt so vieles anders werden soll. Dann will er die Veräußerung landwirtschaftlich genutzter Grundstücke erleichtern, die heute durch das Steuerrecht noch eher erschwert wird.

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