ZEIT: Max Grundig hat gesagt: „Wenn wir fünf Jahre so weitermachen wie bisher, gehen wir unter wie die AEG“ – und hat damit den Verkauf seines Unternehmens an Thomson-Brandt begründet. Ist die Lage Grundigs so schlecht?

Stachel: Ich halte es nicht für so dramatisch, aber ich möchte Herrn Grundig beipflichten: Wie bisher kann es nicht weitergehen. Das gilt insbesondere für die Art und Weise, wie dieses Unternehmen geführt wurde. ZEIT: Wäre Ihnen Philips als Käufer genauso recht gewesen wie Thomson-Brandt?

Stachel: Philips, das kann man aus der Sicht der Arbeitnehmer sagen, ist genauso gut oder genauso schlecht wie Thomson-Brandt. Nur, Thomson-Brandt hat den schlechteren Ruf.

ZEIT: ... als Arbeitsplatzvernichter?

Stachel: Ich erinnere dabei an Videocolor, an Saba, Nordmende, Dual. Das sind alles Firmen, die Thomson-Brandt in der Vergangenheit gekauft hat. Wenn man von Videocolor absieht, das ganz geschlossen wurde, haben alle Firmen einen erheblichen Rationalisierungsschub erlebt und teilweise nur noch die Hälfte ihrer Belegschaft im Vergleich zu vorher.

ZEIT: Wieviele Arbeitsplätze sind bei Grundig gefährdet?

Stachel: Eine Zahl kann man heute nicht nennen. Ich rechne aber damit, daß sowohl mit Thomson-Brandt als auch ohne Thomson-Brandt in der Unterhaltungselektronik Arbeitsplätze gefährdet sind durch neue Produkte, die mit erheblich weniger Arbeitsaufwand herzustellen sind. Deshalb sehen wir einen Rationalisierungsschub unbekannter Größe auf uns zukommen.