Die Berliner Hochschulen und der Pharma-Konzern Schering wollen gemeinsam forschen

Von Ruth Bergmeyer

Mit Berlin hat man einst die Namen bedeutender Unternehmen und großer Wissenschaftler verbunden. Forscher von Rang zog es an die Spree, wo sie ein Klima vorfanden, das sie zu geistigen Höchstleistungen anspornte. Albert Einstein, Max Planck und Otto Hann hatten in der deutschen Metropole ihre große Zeit. Die Wirtschaft profitierte von einer lebendigen Wissenschaft. Borsig, Siemens und die heute kläglich dahinsiechende AEG waren Industriegründungen, die Geschichte machten. Gelder der Industrie flossen wieder in die Forschung. Das System funktionierte, gleich ob das Bündnis immer segensreich war oder nicht.

Eine annähernd florierende Verbindung wirtschaftlichen und wissenschaftlicher Interessen hat es im Berlin der Nachkriegsära nie wieder gegeben. Wie auch, wo es immer mehr Unternehmen danach drängte, Produktions- und Forschungsabteilungen in die Bundesrepublik zu verlagern? Später, zur Apo-Zeit und danach, waren die Berliner Hochschulen zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Eine Zusammenarbeit mit der Industrie galt vielen Universitätsmitgliedern aus ideologischen Gründen als suspekt. Vor allem die Geisteswissenschaftler sahen in der strikten Trennung von Wissenschaft und Wirtschaft die Gewähr für eine im Sinne der Allgemeinheit verantwortungsvolle Forschung.

Heute hinkt die nach der Zahl der Studenten größte deutsche Universitätsstadt ihrem einstigen Ruhm mühsam hinterher. Nicht, daß die Freie Universität je so schlecht war wie ihr Ruf. Der Hochschul-Koloß im Villenviertel Dahlem hat jedoch durch eine zeitweilig als zu links gescholtene Studentenschaft, durch zermürbende Gremienarbeit, durch abgesprochene Prüfungen und die Vergabe von sehr guten Einheitsnoten in einigen Fachbereichen Vertrauen verloren. Was über die FU verbreitet wurde, ließ der Industrie eine Zusammenarbeit nicht besonders reizvoll erscheinen.

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist Wissenschaftssenator Wilhelm Kewenig vor gut einem Jahr angetreten. Mit neuen Impulsen möchte er die Berliner Hochschulen aus ihrer Erstarrung lösen und stärker als bisher für den Verkauf von Forschung sorgen. Die Idee ist nicht neu. Auch sein Vorgänger, der heutige SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz, sollte die Kontakte zwischen Berliner Wirtschaft und Wissenschaft intensivieren. Mit der Technischen Universität, die schon immer einträgliche Summen über Industrieaufträge erwirtschaftete, setzte er einen "Technologietransfer" für Klein- und Mittelbetriebe in Gang. Sie können sich über diese Stelle technologisches Know-how für Investitionen besorgen.

Seitdem in Berlin eine CDU-Regierung herrscht, scheint die Zusammenarbeit im Eiltempo voranzuschreiten, als hätten Hochschulen und Wirtschaft sich erst richtig entdeckt. Mit Gespür für das, was ankommt, setzt sich Wissenschaftssenator Kewenig an die Spitze einer Bewegung, zu der er ohnehin keine Alternative hat, wenn er sich in Zeiten äußerster Finanzknappheit profilieren will, und wenn die Forschung nicht noch kürzer treten soll. Der ehemalige Harvard-Student Kewenig schwärmte immer schon für das Finanzmodell namhafter amerikanischer Universitäten, die sich ihren Etat zu 100 Prozent "einwerben" müssen. Nun sollen auch die Berliner Universitäten mehr als bisher beweisen, "daß Forschung nicht nur Geld kostet, sondern daß man damit auch etwas verdienen kann".