Bremen/Bonn

Das Personal beim Sozialsenator der Hansestadt Bremen sah das Maß voll und muckte auf: "Jetzt reicht’s. Wir machen nicht mehr mit." In der Bundeshauptstadt Bonn war es die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr, die sich ins Zeug legte. Namens der städtischen Putzfrauen warf sie der Verwaltung Erpressung vor. Der Protest galt in beiden Kommunen der gleichen Sache: dem Rotstift.

In Bremen traf die jüngste Rechen-Lektion 42 000 Bedienstete des Stadtstaates, zumindest einen Teil davon, schätzungsweise die Hälfte. Vom 1. Januar kommenden Jahres an soll das private Ortsgespräch vom Behördenanschluß aus Geld kosten – 25 Pfennig pro Einheit. Verärgert sind sie vor allem über die Methode: Jeder Bedienstete soll selbst einschätzen, wie oft er im Monat telephoniert und dies dann der Verwaltung melden.

Diese Vergünstigung ist nur eine von vielen, die in jüngster Zeit dem Sparstift zum Opfer gefallen sind. Gestrichen wurden Kontoführungsgebühren von einer Mark pro Monat und der Essenszuschuß – 1,50 DM im Monat – für Besserverdienende. Abstriche gab es auch bei Dienstreisen: Dem Bremer Staatsbeamten wird die zweite Klasse empfohlen. Der Pressesprecher des Bremer Senats, Manfred von Scheven, beziffert die Aktion Rotstift auf "etwa zehn Millionen Mark".

Mit soviel Geld wird der Leiter des Bonner Personalamtes, Hans Gielen, kaum rechnen können, selbst wenn er sich mit seiner Sparmaßnahme gegenüber der Gewerkschaft durchsetzen sollte. Unter dem Diktat der leeren Kassen beschloß die Verwaltung, die Bonner Schulen künftig weniger reinlich zu halten. Die städtische Putzkolonne – Frauen in erster Linie – wurde aufgefordert, ihre wöchentliche Arbeitszeit um zwei Stunden zu reduzieren – selbstverständlich ganz auf freiwilliger Basis und ohne Lohnausgleich.

Daß der rigide Sparstil, der sich zunehmend in Stadt und Land ausbreitet, nicht gerade populär ist, vor allem dann, wenn er zunächst die Schwächsten trifft, liegt auf der Hand. Hätte Bonns Personalleiter Gielen dem Oberstadtdirektor und seinen Spitzenbeiräten die Verkürzung ihrer wöchentlichen Arbeitszeit um zwei Stunden – selbstverständlich ohne Lohnausgleich – empfohlen, dann hätte die Stadtkasse sicher nicht nur mehr gespart; die Maßnahme wäre auch dem Sparwillen der übrigen Bediensteten förderlich.

Noch schwieriger ist es, Besitzstände abzubauen, die materiell viel kosten und längst fragwürdig geworden sind: etwa die vielfältigen Zulagen, die es bei allen Behörden gibt. Die Friedhofsarbeiter der Kommunen bekommen oft noch immer eine Erschwerniszulage für ihre harte Arbeit mit Hacke und Schaufel. Dabei hat der voll- oder halbautomatische Schaufelbagger die Muskelkraft auch auf dem Friedhof längst verdrängt. Geblieben ist nur die Zulage.