Nachfragepolitik und Kaufkraft-Theorie führen zu noch höherer Arbeitslosigkeit

Von Karlheinz Kleps

François Mitterrand, Frankreichs sozialistischer Staatspräsident, und Helmut Kohl haben in diesen Wochen und Monaten eines gemeinsam: Ärger mit streitbaren Gewerkschaftsführern, die Hunderttausende zu lautstarkem Protest mobilisieren. Ihr Unmut richtet sich gegen Bestrebungen, die in beiden Ländern gleichermaßen darauf abzielen, die in den vergangenen Jahren immer stärker aus dem Lot gebrachte Relation zwischen konsumtiver und investiver Verwendung des Volkseinkommens durch eine beschäftigungsorientierte Lohnpolitik und Abstriche am Wohlfahrtsstaat zu korrigieren. Dabei gilt eine wieder verstärkte Investitionstätigkeit als die entscheidende und unabdingbare Voraussetzung auch für eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung.

Das heißt nun keineswegs, daß es Gewerkschaften gäbe, die das seit jeher gerade von ihnen in besonderem Maße propagierte Ziel der Vollbeschäftigung inzwischen aufgegeben hätten. Was ihnen mißfällt ist der Weg, auf dem sie wieder erreicht werden soll.

Die zentrale Argumentation, mit der die Gewerkschaften das Konzept einer Wiederherstellung der Vollbeschäftigungsrelation zwischen konsumptiver und investiver Einkommensverwendung aus den Angeln zu heben suchen und mit der sie gleichzeitig auch ihren eigenen Weg anpreisen, entspricht der keynesianischen Kaufkrafttheorie des Lohnes. Sie läßt sich so skizzieren:

Fledermaus-Prinzip

Die privaten Unternehmer werden nur dann wieder mehr investieren, neue Arbeitsplätze schaffen und mit einem erhöhten oder neuen Angebot auf dem Markt in Erscheinung treten, wenn und soweit sie attraktive Gewinne erwarten können. Das aber setzt voraus, daß es auch eine entsprechende Nachfrage gibt, die das erhöhte oder neue Angebot aufnimmt. Infolgedessen ist es völlig verfehlt, eine Forcierung der Investitionstätigkeit zu erhoffen, wenn deren entscheidende Voraussetzung, nämlich die notwendige Nachfrage, mit der Beschneidung von Sozialleistungen, der Einschaltung von Lohnpausen und ähnlichen Restriktionen zerstört wird. Allein richtig ist hingegen eine Politik, die bei Unterbeschäftigung umgekehrt darauf abzielt, zunächst die kaufkräftige Nachfrage der Konsumenten zu stärken.