London ist eine freundliche Stadt. Sie klingt im Deutschen dem Englischen immerhin ähnlich, und man kann ein auch durchaus sprechbares Adjektiv "Londoner" bilden, aus dem nicht gleich Wurstartiges wird wie im Falle von Hamburg,

Mit der schottischen Hauptstadt wird es schon schwieriger, Edinburg oder Edinburgh? Ich meine, wer "burg" spricht, sollte auch "burg" schreiben. Und die hartnäckigsten Edinburgh-Verfechter werden weich, wenn etwa "Edinburger Festspiele" zu schreiben ist, Oder gibt es wirklich jemanden, der "Edingburgher" schriebe?

Rom – Römer, Paris – Pariser, New York – New Yorker: keine Schwierigkeiten; daß wir New York englisch, aber Paris deutsch aussprechen, muß wohl so sein. Florenz und Mailand, Neapel und Venedig werden eingedeutscht, Sheffield, Marseille und Washington nicht. Ich habe noch keine befriedigende Erklärung dafür gefunden, warum wir gerade die italienischen Städte so leicht eingemeinden. Die italienischen Flüsse auch, vom Po, wo es leicht ist, bis zum Tiber, und da ist es ja schon schwerer.

Vielleicht geht das bis ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation zurück. Und jedenfalls spielt kein anderes Land in der deutschen Literatur eine so große Rolle wie Italien. Vorübergehende Zugehörigkeit zum österreichischen Sprachraum kann man zwar für Bozen, Mailand und Venedig geltend machen, aber nicht für Florenz statt Firenze und Neapel statt Napoli.

Auch Moskau und die Moskauer passen noch ins einfache Schema. Den Fluß nennen wir dann aber eher und nicht ganz logischerweise die Moskwa.

Daß wir Mexico City englisch bezeichnen und nicht Stadt Mexiko sagen oder, wenn schon, dann in der Landessprache Ciudad Mexico, ist ebenso unsinnig wie daß wir dem Westufer des Jordans weder einen israelischen noch einen syrischen noch einen deutschen Namen geben, sondern die amerikanische Bezeichnung Westbank übernehmen, die im Deutschen doch eigentlich eher an ein Geldinstitut denken läßt.

Am schwersten tun wir uns, und das nicht ohne Grund, mit den ehemals deutschen Städten im Osten. Um nur ja nicht in den Verdacht des Revanchismus zu geraten, sagen wir Gdansk und Szczecin, Poznan und Wroclaw, Aber mit Gdansker Goldwasser und dem Szczeciner Hafen, mit der Poznaner Messe und den Wroclawer Festwochen ist es nicht so einfach. Und es besteht eigentlich kein Grund, Königsberger Klopse Kaliningrader Klopse zu nennen. Denn für die Zeit vor 1945, aus der zweifellos die Klopse datieren, müssen die alten deutschen Namen ja noch erlaubt sein. Zum Ausgleich für Wroclaw und Poznan, könnte man meinen, haben sie dann aus dem alten slawischen Chemnitz ein rein deutsches Karl-Marx-Stadt gemacht.