Leopold Kohr und seine Einsichten über das menschliche Maß" in allen Bereichen des Lebens

Von Alfred Winter

Als ich die große Keltenausstellung in Hallein bei Salzburg (1980) vorbereitete, besuchte mich ein freundlicher älterer Herr und bot seine Mithilfe an, Kontakte ins traditionell keltische Wales herzustellen. Eine wahre "Invasion walisischer Kelten" folgte. Eine Reihe walisischer Persönlichkeiten, an der Spitze der Erzdruide, erzählten vom Jahrhunderte währenden Kampf ihres Volkes um Unabhängigkeit und, vor allem, um Rettung der eigenen, ursprünglichen Kultur und der keltischen Sprache. Vom Führer der walisischen Unabhängigkeitsbewegung, Gwynfor Evans, erfuhren wir, daß es ein Salzburger war, der den Walisern den Weg zu einer neuen Identität wies mit dem Buch "Is Wales Viable". Der Autor des Werkes war niemand anderer als mein freundlicher Besucher: Professor Dr. Leopold Kohr.

Kohr, in Wales ein hochangesehener Mann, war in seiner Heimat Salzburg und Österreich völlig unbekannt. Nur Robert Jungk, er lebt in Salzburg, wußte, wer Leopold Kohr ist. Bei weiteren Besuchen brachte Kohr einige Pakete Bücher mit, um zu zeigen, daß er "nicht nur über sehr gute keltische Freunde verfüge", sondern auch eine Art Lebenswerk, eine "Philosophie der Größe" vorzuweisen habe. Das war die eigentliche Entdeckung Leopold Kohrs. Diese Bücher wiesen ihn als den Begründer von Thesen aus, die den Aufbruch der Jugend gegen den übermächtigen Staat, den Zentralismus, aber auch die ökologische Bewegung und die "Grünen" bewirkt haben, vor allem aber den blinden Glauben an "Wachstum" und "Größe" erschüttern.

Geboren im "Stille-Nacht"-Oberndorf