Der Handel mit Büchern ist ein ziemlich altes Gewerbe und häufig genug ein traditionsreiches dazu. Das wird besonders augenfällig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß immerhin 166 noch heute in der Bundesrepublik und in Westberlin existierende Verlage und Buchhandlungen älter sind als ihr Berufsverband, der 1825 zu Leipzig gegründete Börsenverein der Deutschen Buchhändler. Firmenjubiläen, etwa 100jährige, sind daher in einer Branche etwas vergleichsweise Alltägliches, in der Gründungen heute noch arbeitender Betriebe im 17. und 18. Jahrhundert datieren, elf solcher Firmen sogar vor 1600 gegründet wurden.

Angesichts des Geschäftszwecks dieser Branche – Herstellung von und Handel mit Gedrucktem – ist es kaum verwunderlich, daß all die Jubiläen sich wiederum in Gedrucktem niederschlagen, und die Zahl, der vorliegenden Jubiläumsschriften von Buchhandlungen und Verlagen daher besonders groß ist. Von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen (Peter de Mendelssohns „S. Fischer und sein Verlag“), sind diese Publikationen, wie Jubiläumsschriften aller Branchen, meistens mehr oder weniger ausführliche Firmengeschichten, mehr oder weniger eitle Selbstdarstellungen, manchmal interessant für Spezialisten, selten für eine größere Öffentlichkeit.

Aus der Wüstenei dieser Art traditionsverpflichteten und traditionsbewahrenden Jubiläums-Nabelschauen ragt die Verlagsgeschichte, die Gert Ueding zum 200jährigen Bestehen des Hamburger Verlages Hoffmann & Campe geschrieben hat: Zum einen ist es ja nicht selbstverständlich, daß deutsche Wissenschaftler so schreiben, daß sich ihr Interesse am behandelten Gegenstand auch dem „normalen“ Leser mitteilte; zum anderen fasziniert der Ansatz, den Ueding zur Darstellung einer Firmengeschichte gefunden hat. Schon der Titel –

„Hoffmann & Campe – Ein deutscher Verlag“; Verlag Hoffmann & Campe, Hamburg; 615 S., 68,– DM

läßt ahnen, was bei der im Inhaltsverzeichnis deutlich werdenden Gliederung zur Gewißheit wird: hier wird nicht gelobhudelt, sondern ein Stück deutscher Geschichte – politische, soziale, geistige – erzählt und – fast möchte man sagen: nebenbei – eben auch die Geschichte jenes Verlagshauses, mit dem sich auch heute noch Begriffe wie „Verlag des jungen Deutschland“ und des Autors Heinrich Heine verbinden.

Aus der Ära des Verlegers Julius Campe (1823-1867) rührt ohne Zweifel das „Renommee, das dieser Verlag auch heute noch hat. Uedings Verdienst ist es, daß neben der zeitgeschichtlichen Einordnung dieses bekannteren Teils der Verlagsgeschichte auch den weniger spektakulären, doch nicht minder interessanten Jahren, von den Anfängen des Buchhändlers Benjamin Gottlieb Hoffmann bis zum heutigen Verlagsinhaber Ganske, kritische Gerechtigkeit zuteil wird. Dabei wird immer wieder deutlich, daß – bei allem notwendig Merkantilen – der Handel mit Büchern eben doch etwas anderes als der Handel mit einer x-beliebigen Ware ist. Der Verlagspolitik nach dem 2. Weltkrieg gilt das letzte, etwas kurz geratene Kapitel, das auch das schwächste ist. Der Grund dafür wird nicht nur der Zeitdruck gewesen sein, sondern wohl auch zurückhaltendes Feingefühl gegenüber den Auftraggebern.

Alexander U. Martens