Die Wiener Regierung möchte den Mutterschaftsurlaub wahlweise für Väter einführen

Einen regelrechten Frauenkrieg löste in den vergangenen Tagen Österreichs Sozialminister Alfred Dallinger aus. Der Minister nämlich trägt sich mit dem Gedanken, den Mutterschaftsurlaub – in Österreich "Karenzurlaub" genannt – nach der Geburt eines Kindes wahlweise auch für die Väter einzuführen. Diese fortschrittliche Idee fand jedoch nur geteilte Zustimmung: Innerhalb seiner Partei, der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ), zogen, die Gewerkschafterinnen vehement gegen diesen Plan zu Felde. Und in der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zeigte sich Frauenchefin Hubinek anfangs über diesen Plan des-, Sozialministers wurde aber wenige Tage später von eigenen Parteikolleginnen dafür attackiert.

In Österreich hat jede Mutter nach der Geburt eines Kindes die Möglichkeit, ein Jahr lang von ihrem Arbeitsplatz wegzubleiben. Während dieser Zeit bekommt sie eine staatliche Unterstützung von etwa 700 Mark monatlich – alleinstehende Mütter beziehen rund 750 Mark monatlich vom Staat. Nach Ablauf dieses Jahres hat die Frau das Recht, auf ihren ursprünglichen Arbeitsplatz und zu unveränderten Bedingungen in ihren Betrieb zurückzukehren. Dieses Jahr für Kinderbetreuung sollte nach der Absicht des Ministers auch Männern möglich sein. So könnten Eheleute gemeinsam entscheiden, wer von ihnen für das erste Jahr die Kinderbetreuung übernimmt und damit auf Beruf und volles Einkommen verzichtet.

Die Absicht des Ministers war durchaus frauenfreundlich. Denn immer wieder hatten Frauenvertreterinnen geklagt, daß ihr Recht auf Karenzurlaub gleichzeitig ein Handikap sei. Die meisten Arbeitgeber würden Frauen schon deshalb gar nicht in wichtige Positionen vorrücken lassen, weil sie immer damit rechnen müßten, daß die Frauen wegen eines Kindes für ein Jahr ausfallen. Gibt es wenigstens theoretisch die Möglichkeit, daß auch ein Mann eine solche Berufspause macht, würde dieses Argument nicht mehr greifen, war die Meinung von fortschrittlichen Damen in beiden Parteien.

Gegnerinnen eines wahlweisen Karenzurlaubs befürchten dagegen, daß weniger nette Männer zwar das freie Jahr genießen, aber Arbeit und Kinderbetreuung dennoch den Frauen überlassen würden, die damit doppelt belastet wären. Der Minister indes stützt sich in seinem Vorhaben auf Befragungen der Betroffenen: Etwa siebzig Prozent der Eltern, bei denen die Frau einen Karenzurlaub angetreten hat, würden eine Wahlmöglichkeit begrüßen. Irmgard Bayer