Arnulf Rainers "Übermalungen" als "bildnerische Belege der negativen Theologie": so faßte einmal Armin Zweite, der Direktor des Münchner Lenbachhauses, Rezeption und Interpretation der Arbeit zusammen, auf die sich der österreichische Künstler seit 1955 fast ausschließlich konzentriert hat. Durch "Übermalung", das heißt verschiedene Stufen der Verdeckung und Verhüllung bis hin zur Auslöschung, modifiziert und verbirgt und vernichtet Rainer sowohl eigene Bilder wie fremde Photos, setzt hier neue Akzente, löscht da ein Motiv aus, übermalte schließlich auch das schon Ausgelöschte, Totenmasken.

Wie heikel seine jüngste Arbeit auf diesem Gebiet ist, seine Übermalungen von 57 Hiroshima-Photos, hat der intelligente Künstler und lustvolle Selbstdarsteller, der "clownische Identifizierung, thematische Begeisterung, euphorische Kommunikation, libidinöse Angriffslust etc." als den Impuls seiner Arbeit nennt, glücklicherweise selber begriffen. Alexander von Berswordt-Wallrabe (in dessen Galerie m in Bochum die Hiroshima-Übermalungen bis zum 9. Januar 1983 zu sehen sind) hatte Rainer Vergrößerungen der Photos, die nach dem Abwurf der Atombombe im August 1945 entstanden, ins Haus geschickt. Und Rainer, der diese Arbeiten "nicht aus eigenem Antrieb" begonnen hat, nennt die Blätter im Katalogvorwort "Anläufe in ein Nichts" und sieht ihr "Uneingelöstes, Verfahrens, Obergründiges, Verschleiertes". Wenn man dem zustimmt, so ist das keine kunstkritische Äußerung, sondern Bestätigung einer weiteren Feststellung von Arnulf Rainer: "Das Inferno ist dem verweilenden Auge unfaßbar." (Katalog 28,– Mark) P. K.