Mittelmäßig

„Das Ende vom Anfang“ von Helmut Christian Görlitz. „Bäumchen kann man biegen“ sollte der Film nach dem autobiograpischen Roman „Treibjagd“ von Michael Holzner zunächst heißen. Und mit einer Baum-Metapher beginnt Helmut Christian Görlitz – er arbeitete bisher für das Fernsehen und mit Ottokar Runze zusammen – seinen ersten Kinofilm: die traurige Odyssee des Jungen Ben Holberg durch Erziehungsheime. Die Vorgeschichte dazu hat der Regisseur ausgespart. Er konzentriert sich auf eineinhalb Jahre im Leben des Jungen. Scheu und gutwillig verhält sich der 14jährige Ben zunächst, aber die dumpfe Heimatmosphäre, die ständige Bedrohung und Unterdrückung durch andere Jugendliche lassen ihn schließlich rebellieren. Er schlägt zurück, versucht zu fliehen, wird gehetzt und wieder eingeliefert. Görlitz stellt diesen Teufelskreis aus der Sicht des Jungen dar, steigert die Figuren der Erzieher zuweilen ins Groteske und verklärt die Ansätze einer Liebesgeschichte ins Romantische. Bilder allein aber reichen dem Regisseur nicht: Er liefert die Gedanken des Jungen, aus dem Off gesprochen, gleich dazu. Dem Zuschauer wird so jede Möglichkeit der eigenen Reflexion genommen. Die hehren Worte des Heimleiters bedürfen keines Kommentars. Anne Frederiksen

Ärgerlich

„Zwei irre Typen auf heißer Spur“ von James Burrows. Zwei Polizisten – ein lässiger Frauenheld (Ryan O’Neal) und ein verkrampfter überangepaßter Schwuler (John Hurt) – posieren auf Geheiß ihres Vorgesetzten als Pärchen, um in der einschlägigen „Szene“ in Los Angeles eine mysteriöse Mordserie an Homosexuellen aufzuklären. Mit seinen schalen Scherzen, seiner hämischen Schadenfreude und heuchlerischen Sentimentalität, seinen sexistischen Stereotypen und seiner völlig wirren Krimihandlung erweist sich „Partners“ (Originaltitel), dilettantisch von dem Fernseh-Regisseur Burrows nach einem Drehbuch von Francis Veber in Szene gesetzt, als krude Mischung aus „Ein Käfig voller Narren“ (Drehbuch: Veber) und „Starsky und Hutch“. Aufschlußreich ist allenfalls die Grundidee: suggeriert doch die Art, wie O’Neal in seiner „Macho“-Haltung bestätigt wird und Hurt Erfüllung findet als ideale Hausfrau, daß der vom Feminismus seiner Privilegien beraubte amerikanische Mann immer noch sein Essen gekocht und seine Filzpantoffeln bereitgestellt bekommt – sofern er sich eine Tunte als Hausmütterchen sucht.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Eine Sommernachts-Sexkomödie“ von Woody Allen. „Die Fantome des Hutmachers“ von Claude Chabrol. „Einer mit Herz“ von Francis Coppola. „Normalsatz“ von Heinz Emigholz. „Querelle“ von Rainer Werner Fassbinder. „Yol“ von Yilmaz Güney und Serif Gören (siehe Seite 47). „Von Mao zu Mozart“ von Murray Lerner. „Mad Max II“ von George Miller. „Tote tragen keine Karos“ von Carl Reiner. „Der Westen leuchtet!“ von Niklaus Schilling. „Der Blade Runner“ von Ridley Scott. „Der Saustall“ von Bertiand Tavernier. „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders.