DIE ZEIT

Wende und Rückschritt

Jürgen Warnke, CSU-Entwicklungshilfe-Minister, plauderte recht ungeniert. Wer „uns ans Schienbein tritt“, sagte er im Fernsehen, dürfe natürlich nicht damit rechnen, als bevorzugter Partner behandelt zu werden.

Bonn – wie gehabt oder wie geschmiert?

Wenn bis dahin für ehrenhaft gehaltene Regierungsmitglieder oder Oppositionspolitiker plötzlich in den Verdacht geraten, sie hätten ihr Amt oder ihre Funktion im Interesse ihrer jeweiligen Parteien mißbraucht, gibt es darauf in der demokratischen Wirklichkeit unserer Tage zwei Reaktionen: Verurteilung auf Verdacht oder hartnäckiges Bestehen darauf, daß gerade der Politiker als "öffentlicher Mensch" das Recht auf ein "im Zweifel für den Beschuldigten" habe.

Der Hoffnung eine Chance

Die Untergrundführung der verbotenen Gewerkschaft „Solidarität“ hat in Polen die für den Jahrestag des Kriegsrechts angekündigte Protestaktion abgesagt und das Regime in Warschau zugleich zu einem „Waffenstillstand zwischen der Führung“ und der Bevölkerung aufgerufen.

Jeder gegen jeden

Wer der Europäischen Gemeinschaft trotz ihrer unübersehbaren Ermattungserscheinungen Gutes nachsagen wollte, dem bot bisher ihre außenpolitische Haltung einleuchtende Argumente.

Unbedingt Kurs halten

Man spitzt die Ohren, wenn der Präsident des Goethe-Instituts in München auf der Mitgliederversammlung erklärt, er habe „bis heute keinerlei Anzeichen dafür bemerkt, daß sich nach dem Regierungswechsel in Bonn irgend etwas Entscheidendes am Kurs der auswärtigen Kulturpolitik ändern wird“.

Zeitspiegel

Viele Tageszeitungen drucken zum Jahreswechsel ein Kalenderblatt, das die Leser durch das neue Jahr mit seinen Feiertagen und Ferienterminen begleitet.

Stärker werden, aber wie?

Die Nato-Verteidigungsminister, die sich diese Woche in Brüssel zu ihrer alljährlichen Winterkonferenz versammelten, sind daran gewöhnt, daß die Regierungen häufig wechseln und in ihrer Mitte immer wieder ungewohnte Gesichter auftauchen.

Raketen, Kapseln und Kanister

Der Schock kam im Oktober 1977. Die riesige sowjetische Interkontinentalrakete vom Typ SS-19 hob vom Versuchsgelände Tjuratam in Kasachstan ab.

Bürgerinitiativen Umweltschutz:: Zögern vor dem nächsten Schritt

Ein Jahrzehnt besteht die Drei-Buchstaben-Organisation bereits, doch sein Jubiläum feierte der "Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz" (BBU) am vergangenen Wochenende so nüchtern und geschäftsmäßig, als sei man froh, die Kinderjahre endlich hinter sich zu haben.

Gesten als Politik-Ersatz

Philipp Jenninger, der neue und unter anderem für die Deutschlandpolitik zuständige Kanzleramtsminister zu Gesprächen mit dem DDR-Außenminister Oskar Fischer und dem führenden Wirtschaftsfachmann Günter Mittag in Ostberlin; gleich nach seinem Amtsantritt eine Stippvisite des neuen innerdeutschen Ministers Rainer Barzel in der östlichen Hälfte der Stadt, dann Gespräche von Bundespräsident Carstens und Außenminister Genscher mit Erich Honecker bei der Beerdigung Leonid Breschnjews in Mos- und ein Treffen zwischen Bauminister Schneider und seinem DDR-Amtskollegen Junker anläßlich der Eröffnung einer westdeutschen Bauausstellung in Magdeburg; freimütiger Kontakt auch zwischen Verkehrsminister Dollinger und seinem DDR-Gegenüber Arndt bei der Freigabe der neuen Autobahn zwischen Hamburg und Berlin; die Präsentation der berühmten Schinkel-Ausstellung aus der DDR in Hamburg; schließlich der Beginn eines begrenzten Jugendaustauschs – selten zuvor hat es so viele deutsch-deutsche Berührungspunkte gegeben wie gerade in diesen Wochen.

Angetippt

Abordnungen an Gräbern, vor Denkmälern und Podien. Verstopfte Friedhöfe, Blumengebinde als Signal, Tiefe ausgelotet, Worte sollen bekränzen; alles eingebracht in die Verpflichtungen zum Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag.

Legitimität gegen Legalität?

Das Grundgesetz vermittelt durch die Einheit aller seiner Teile, der Grundrechte, der Entscheidungen für Demokratie, Rechtsstaat und Sozialstaat, der organisatorischen Bestimmungen nicht nur die Legalität, sondern die Legitimität staatlichen Handelns.

Der Präsident muß schweigen

Man kann es kaum mehr lesen, ebensowenig hören: Neuwahlen, fast täglich, seit bald zwei Monaten. Man will es endlich wissen, das Ob und Wann.

Im Zweifel für die Wahrheit

Der eine Menachem Begin: Er läßt sich einen Bart wachsen, als Zeichen der Trauer. Vor zwei Wochen ist seine Frau und Kampfgefährtin Aliza gestorben.

Giscard: Rückkehr auf die Böhne

In der vorigen Woche traf er sich zu einem spektakulären Versöhnungsessen mit seinem Intimfeind Jacques Chirac und beschwor die neue Eintracht mit seinem schärfsten Konkurrenten.

Afrika: Gipfelkonferenz erneut gescheitert

Die Staatschefs der afrikanischen Länder hatten voriges Jahr in Nairobi beschlossen, 1982 in Libyen zu tagen. Damit wäre der Vorsitz der OAU satzungsgemäß auf den Gastgeber, Oberst Muamman Ghaddafi, übergegangen.

Spanien: Neuanfang mit moderaten Tönen

Mit einer Mischung aus Skepsis und Optimismus versprach er den Spaniern Besserung ihrer Lebensumstände: Wie erwartet stand die Bekämpfung der schweren Wirtschaftskrise im Mittelpunkt seiner mit Spannung erwarteten Rede.

Namibia: Wieder Blockade

Als Reagan ins Weiße Hans einzog, jubelten die Südafrikaner, weil sie nun den Verfechter der Menschenrechte, Präsident Carter und seinen unbequemen UN-Botschafter Andrew Young, los waren.

Irland: Vor einem Wechsel?

Im alten Dubliner Parlament, das erst im Februar gewählt worden war, konnte sich die konservative Minderheitsregierung der Fianna Fáil („Soldaten des Schicksals“) wegen der Wirtschaftskrise und einer Reihe von Skandalen nicht mehr behaupten.

„Was bleibt, ist giftiges Nachhaken“

Viele Bonner erkennen die Freien Demokraten nicht mehr wieder, dieses bisher oft erfrischend unkonventionelle, keineswegs verbiesterte, aufgeschlossene und vor allem tolerante Völkchen mit so viel individueller Couleur im Bundestagsgrau.

Wolfgang Ebert:: Die neuen Genossen

„Ich wäre, schon mit einem einigermaßen aussichtsreichen Listenplatz zufrieden...“ – „Herzlich willkommen! Sie kommen reichlich spät, die besseren Positionen sind inzwischen alle vergeben.

Kirche und Kernwaffen

Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, eine internationale Vereinigung von 70 keineswegs nur katholischen Gelehrten, die den Vatikan in wissenschaftlichen Fragen beraten, hat kürzlich die Leiter der wichtigsten wissenschaftlichen Akademien der Welt nach Rom berufen, um ein Dokument zu beraten, das die Gefahren eines Nuklearkrieges schildert und mögliche Aktionen zu dessen Vermeidung vorschlägt.

Der Papst über die Atomwaffen

„In den gegenwärtigen Umständen kann ein Gleichgewicht der Abschreckung, gewiß nicht als Selbstzweck, aber als Etappe auf dem Wege progressiver Abrüstung, noch als moralisch akzeptabel beurteilt werden.

Träume in Downing Street

Margaret Thatcher denkt an ihre zweite Amtszeit. Das ist nicht neu. Sie hat stets versichert, um Großbritannien umzukrempeln, benötige sie mindestens zwei Legislaturperioden, also ein gutes Jahrzehnt.

Japans neuer Premier: Der Sieg des Wetterhahns

Mit brutaler Offenheit gesagt: Es wäre politisch irrelevant, Premierminister Suzuki zu ermorden. Nichts würde sich dadurch ändern, und Nachfolger gibt es in Hülle und Fülle“, beruhigte Kolumnist Hideo Matsuoka in Japans drittgrößter Tageszeitung Mainichi seine Leser nach dem Attentatsversuch auf US-Präsident Reagan.

Prozeß: Ein zu weiches Herz

Hat sie einen fairen Prozeß erlebt? Sie zögert; hier in ihrer Praxis hat sie offenbar die Ruhe wiedergefunden, um über den Hintergrund des Verfahrens nachzudenken.

Vergessene Geschichte

Im Dritten Reich hieß es in einem Heilsbronn-Führer, es gäbe unter den 2100 Einwohnern der Stadt keinen Juden und nur noch vier katholische Familien.

Gartenbau-Ausstellung: Teurer Spaß

Am Anfang war das große Wort. Von „Blumen-Olympiade“ schwärmten Stadträte und Gärtner, von der bedeutendsten Großveranstaltung nach den Olympischen Spielen vor zehn Jahren.

Rotstift: Die Beamten knurren

Das Personal beim Sozialsenator der Hansestadt Bremen sah das Maß voll und muckte auf: "Jetzt reicht’s. Wir machen nicht mehr mit.

Brot für die Welt

Nur in „beschämend geringem Ausmaß“ seien die Industrienationen bisher „ihren Verpflichtungen gegenüber den unter bitterer Not leidenden Ländern“ nachgekommen, klagte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Eduard Lohse, am vergangenen Sonntag.

Proteste: Umstrittener Name

Noch in dieser Woche soll es mit der Mehrheit aller Parteien der Stadt Wuppertal beschlossen werden: eine neue Straße wird demnächst Hellmut-Girardet-Straße heißen.

Zweisprachig: Tu fais le chat?

Der Teppichboden würde einer Versicherung Ehre machen. Aber hier ist das edle weiße Stück ganz und gar am falschen Platz. Über das Muster, das Flecke und Kleckse unbekümmert gezeichnet haben, kriecht auf allen vieren ein kleines Mädchen.

Neue Streiche aus Schwaben

Die Mitglieder der Stuttgarter Landesregierung wollten ein Zeichen setzen: Laut Kabinettsbeschluß werden alle Minister im kommenden Jahr ihren Urlaub innerhalb der Grenzen des „Musterländle“ verbringen.

Falsch verbunden

Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling ist viel unterwegs. Beim Bundespräsidenten übergibt er neue Briefmarken. In Kassel verspricht er, ein Drittel der Republik bis Ende des Jahrzehnts zu verkabeln.

Bonner Kulisse

Die Branche steckt tief in der Flaute; der Aufschwung, den man ihr weissagt, läßt sich noch immer erst erahnen. Und doch gibt es gescheite Leute, die sich schon jetzt den Kopf über eine womöglich alsbald bevorstehende Überhitzung der Baukonjunktur zerbrechen.

Management: ...und fiel aus allen Wolken

Meine Nachfolger“, sagte Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn Anfang Februar vergangenen Jahres, „haben nicht im gleichen Maße Überblick über das Unternehmen.

Familienkonzerne: Allein in der Krise

Die Kunde vom jüngsten publizistischen Paukenschlag in Sachen Parteispendenaffäre erreichte Friedrich Karl Flick weitab vom Schuß im Burgenland nahe der österreichisch-ungarischen Grenze – auf der Jagd.

Österreich: Emanzipation für Männer?

Einen regelrechten Frauenkrieg löste in den vergangenen Tagen Österreichs Sozialminister Alfred Dallinger aus. Der Minister nämlich trägt sich mit dem Gedanken, den Mutterschaftsurlaub – in Österreich „Karenzurlaub“ genannt – nach der Geburt eines Kindes wahlweise auch für die Väter einzuführen.

Der letzte Ausweg

ZEIT: Max Grundig hat gesagt: „Wenn wir fünf Jahre so weitermachen wie bisher, gehen wir unter wie die AEG“ – und hat damit den Verkauf seines Unternehmens an Thomson-Brandt begründet.

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