Der irische Premierminister Charles Haughey hat die vorzeitigen Parlamentswahlen verloren. Zünglein an der Waage ist jetzt die kleine Labour Party.

Im alten Dubliner Parlament, das erst im Februar gewählt worden war, konnte sich die konservative Minderheitsregierung der Fianna Fáil ("Soldaten des Schicksals") wegen der Wirtschaftskrise und einer Reihe von Skandalen nicht mehr behaupten. Den Wahlkampf bestritt Premierminister Haughey vor allem mit antibritischen Parolen. Der Appell an den Nationalismus rettete ihn aber nicht vor der Niederlage: Mit 75 von 166 Parlamentssitzen, sechs weniger als nach der Februar-Wahl, wird Haughey nicht weiterregieren können.

Oppositionsführer FitzGerald steht beim Versuch einer Regierungsbildung allerdings vor einer schweren Aufgabe. Auch nach einem Zugewinn von sieben Sitzen ist seine Fine Gael ("Familie der Iren") die schwächere der großen Parteien. Um Haughey abzulösen, brauchen die 70 Abgeordneten der Partei FitzGeralds die Unterstützung der 16 Labour-Parlamentarier. Koalitionen zwischen Fine Geal und Labour hat es zwar schon mehrmals gegeben; FitzGerald will jetzt allerdings die marode irische Wirtschaft mit einer Radikalkur nach dem Muster Margaret Thatchers kurieren – Kompromisse mit der Labour Party sind da schwierig.

Trotzdem ist eine solche Koalition wahrscheinlich. Unter ihrem neuen Parteiführer Dick Smith, einem 32jährigen Rechtsanwalt, könnte die im Vergleich zu den britischen Namensvettern pragmatische irische Labour Party bestimmender Faktor einer Koalitionsregierung mit dem als wenig energisch geltenden FitzGerald werden. Smith spricht verächtlich von den "traditionellen politischen Strukturen" der irischen Republik; Arbeitsbeschaffung, Wohnungsbau und Industrialisierung interessieren ihn mehr als der Kampf um das britisch beherrschte Nordirland. HJG