Frankreichs ehemaliger Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing arbeitet unablässig und zunehmend erfolgreicher an seinem politischen Comeback.

In der vorigen Woche traf er sich zu einem spektakulären Versöhnungsessen mit seinem Intimfeind Jacques Chirac und beschwor die neue Eintracht mit seinem schärfsten Konkurrenten. Anschließend ließ er sich auf dem Parteitag der von ihm als Präsidenten-Hilfsverein gegründeten Union feiern.

Die gemächliche Rückkehr Giscards ins politische Leben zielt eindeutig auf die Präsidentschaftswahlen in fünf Jahren, wenn auch zunächst die Rückeroberung des eigenen Lagers Vorrang hat.

In den letzten Monaten aber hat Giscard an Boden gewonnen. Der Wahlverlierer besuchte das Elsaß, eine der wenigen ihm verbliebenen Hochburgen, schüttelte wieder Hände, küßte Kinder und zeigte sich als verständnisvoller Zuhörer. Gleichzeitig ließ er wiederholt durchblicken, er wolle nur in wirklichen Notfällen seinen Sitz als Hüter der Verfassung im Verfassungsrat einnehmen.

Giscard kümmert sich um die oppositionellen Clubs, die nach den Mai-Wahlen in Frankreich entstanden sind, und sammelt Berater um sich, die Ideen für die Zeit nach dem Sozialisten sammeln sollen. Die Popularitätskurve von Staatschef François Mitterrand sinkt. Von dieser Entwicklung will Giscard profitieren.

Jörg Reckmann (Paris)