Von Gerhard Spörl

Nur zu oft wird er leidend und schmallippig beschworen: der Generationenkonflikt, die Last der misanthropischen Alten, die ihrer mißliebigen Erben wegen am Sinn ihres Lebens zweifeln, mit den Jungen, die glänzenden Auges wie einst Kolumbus bei der Eroberung Amerikas die Apokalypse entdecken – jede Generation unmittelbar zum Weltende. Das ist keine Gemütslage, in der Witz und Ironie gedeihen. Und selbst dort, wo alles nach befreiender Polemik schreit, verschafft sich bitterer Ernst sein Recht: "Es war auf dem Fest eines universitären Fachbereiches. Zu vorgerückter Stunde begannen die Älteren von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Ein 55jähriger Professor schilderte die Not der ersten Nachkriegsjahre, den Mangel an Nahrung und Kleidung, an Brennstoff, Haushaltswaren und Wohnungseinrichtung. Er berichtete, daß die Haushalte nur Stundenweise mit Gas, Strom und Wasser versorgt worden seien. Die Studenten wollten das nicht glauben. Sie wunderten sich, daß die Bevölkerung sich das habe gefallen lassen. Schließlich fragte ein Zuhörer den Professor kopfschüttelnd: ,Warum haben Sie denn nicht demonstriert?"

Wir erfahren leider nicht, was der Professor darauf geantwortet hat. Aber man kann es sich vorstellen: So wie die Dinge liegen, muß er sich von der tieferen Torheit der Frage in seinem tragischen Weltbild bestätigt gefühlt haben. Der Dialog – er ist nicht möglich; die Generationen sind kraft ihrer existentiellen Erfahrungen scharf voneinander getrennt; das bürgerliche Zeitalter, in dem es den Jungen gestattet war, ihrem Wahn vorübergehend nachzuhängen, weil sie schon noch zur Vernunft kommen und sich dann eben doch zu reputierlichen Bürgern entwickeln würden, ist unwiederbringlich vorbei. Diesem Anfang, so scheint es, wohnt kein Zauber inne.

Oder doch? Einspruch gegen die eilfertigen Interpreten legt ein:

Jörg Born: "Wir wollen keine neuen Herren. Streitschriften zur Jugend- und Psychoszene", Eichhorn-Verlag, Frankfurt 1982, 143 S., 18,- DM

Das Genre ist bewußt gewählt. Bopp, Psychotherapeut in Frankfurt, moniert zu Recht, daß die vielen klugen Bücher über den Generationenkonflikt allesamt ein Manko haben. Die Autoren projizieren mehr oder minder unbewußt ihre eigenen uneingestandenen und unausgelebten Wünsche auf die Jugend. Selbstreflexion tut not, Neugier auf das andere, auch das Fremde, das genau beobachtet, sorgsam beschrieben und vorsichtig beurteilt sein will. Erst dann läßt sich das Neue, die mögliche geschichtsbildende Kraft dieser unbequemen Generation herausfinden.

Ihr selber mag das unklar sein. In der verglasten, asphaltierten und zubetonierten Welt sucht sie nach Rissen, Nischen, Löchern – eine Generation auf der Suche nach ihrer Bestimmung. Und doch, davon ist Bopp überzeugt, sind da Ahnen, die ihr den Weg bereitet haben: "Bei den 15-25jährigen geht eine Saat auf, die 1968 ausgestreut wurde." Nur diejenigen, die sich damals auf