Die beiden von der Akademie der Künste in Berlin entsandten Vertreter des künstlerischen Lebens im Rundfunkrat des Senders Freies Berlin haben folgende Protesterklärung initiiert, die von bisher siebzig Künstlern unterzeichnet wurde:

In größter Eile versuchen die Fraktionen der FDP und CDU im Berliner Abgeordnetenhaus eine Änderung des SFB-Rundfunkgesetzes durchzusetzen. Diese Änderung zielt neben rein parteipolitischen Erwägungen darauf ab, das Mitspracherecht der Vertreter des kulturellen Lebens im SFB-Rundfunkrat auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Bisher war die Kultur mit 2 (zwei) Vertretern in diesem 24köpfigen Gremium bereits eindeutig und erschreckend unterrepräsentiert. Angesichts der politischen Bedeutung des kulturellen Profils von Berlin, das gerade auch von Rundfunk und Fernsehen weiterverbreitet wird, ist zu fordern, daß eine größere Anzahl von Künstlern und Kulturvertretern in den Rundfunkrat entsandt wird. Das bestehende Mißverhältnis soll jetzt noch verschärft werden, denn geplant ist eine Vergrößerung des Rundfunkrats auf 31 Mitglieder – ohne zusätzliche Kulturvertreter. Eine immer größere Anzahl von Partei- und Interessenverbandsvertretern wird zweifellos immer weniger in der Lage sein, inhaltlich kompetent und politisch unabhängig über den weithin kulturellen Programmauftrag des Senders Freies Berlin zu wachen. Die Vertreter des kulturellen Lebens in Berlin protestieren energisch gegen die unverantwortliche Vernachlässigung ihrer Interessen!

Erstunterzeichner der Protesterklärung: Jürgen Becker, Günter Grass, Johannes Grützke, Prof. Rolf Gutbrod, Prof. Dr. Harald Hartung, Dr. Rudolf Hartung, Prof. Bernhard Heiliger, Helmut Heißenbüttel, Prof. Dr. Walter Höllerer, Prof. Dr. Urs Jaeggi, Uwe Johnson, Günter Kunert, Jutta Lampe, Christoph Meckel, Bernhard Minetti, Leonie Ossowski, Prof. Dr. Julius Posener, Otto Sander, Udo Samel, Jürgen Schmitthelm, Ernst Schnabel, Peter Schneider, Gerhard Schoenberner, Prof. Hans Scholz, Prof. Wolfgang Steffen, Peter Stein, Prof. Dr. H. H. Stuckenschmidt, Prof. Heinz Trökes, Dr. Klaus Wagenbach, Prof. Isang Yun u. a. m.