Es gibt Anzeichen dafür, daß das alte Muster der Währungskurse wiederkehrt: Mark und Yen werden stärker, Dollar und Pfund schwächer. Die Erklärungen: Das Defizit der amerikanischen Handelsbilanz war im Oktober größer als erwartet, und für das nächste Jahr rechnet man sowohl in der Handels- als auch in der Leistungsbilanz mit hohen Defiziten. Das Pfund ist gefallen, weil sich herausgestellt hat, daß bei fallenden Ölpreisen der britische Leistungsbilanzüberschuß niedriger ausfallen dürfte.

Die Mark bringt wegen der außerordentlich günstigen Entwicklung der deutschen Leistungsbilanz eigene Stärke mit. Der steigende Yen-Kurs ist Ausdruck der internationalen Neubewertung der Währungen auf den Devisenmärkten, wie Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl neulich sagte.

Bisher schätzten sich Regierungen mit international hoch bewerteten Währungen glücklich, weil der Wechselkurs über billigere Importe einen Beitrag zur Inflationsbekämpfung leistet. Heute ist die Tendenz erkennbar, daß niedrige Wechselkurse der eigenen Währung bevorzugt werden, weil sie als Importbremse einen Beitrag im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit leisten.

Da aber auch heute noch stimmt, daß sich die Arbeitslosigkeit dauerhaft nur vom Boden stabilen Geldwerts aus erfolgreich bekämpfen läßt, sollten wir uns über den neuen Trend auf den Devisenmärkten uneingeschränkt freuen. Es wäre schlimm, wenn der protektionistische Druck in seiner währungspolitischen Variante, dem Abwertungswettlauf, eine Renaissance erführe. R. H.