Die unerfreulichen Aussichten im Flugreisegeschäft waren Thema bei der Jahrestagung des Derschen Reisebüro-Verbandes (DRV) in Nürnberg. Die Lufthansa kündigte an, sie wolle mit Serviceverbesserungen den Problemen entgegentreten.

Gigantische Defizite türmen sich zur Zeit im internationalen Flugverkehr auf. Nahezu alle Linien fliegen Verluste in mehrstelliger Millionenhöhe ein (siehe Zeit Nr. 48). Das summierte sich 1980 zu 1,85 Milliarden Dollar, 1981 zu 1,66 Milliarden, und das wird für das laufende Jahr zu schätzungsweise 1,87 Milliarden Dollar anwachsen. Doch damit ist das Schlimmste noch nicht überstanden. Wenn man den Erwartungen des Internationalen Luftfahrtkartells IATA Glauben schenkt, wird das Minus im kommenden Jahr sogar 2,1 Milliarden Dollar betragen. Der Silberstreif am Horizont wird erst 1984 erwartet, dann soll der Gesamtverlust „nur“ noch 1,4 Milliarden Dollar betragen. Bleibt es bei diesen Prognosen, entspräche das binnen fünf Jahren einem Verlust von 8,8 Milliarden Dollar oder, nach heutigem Kurs umgerechnet, 22,2 Milliarden Mark.

Diesen Verlusten stehen, wie Lufthansa-Vorstand Günter O. Eser vor Reisekaufleuten in Nürnberg erläuterte, noch in dieser Dekade notwendige Investitionen – vornehmlich beim Kauf neuer Flugzeuge – in einer Höhe von 50 Milliarden Dollar gegenüber. Diese Ziffer geht aus von einem stagnierenden Luftverkehr. Sollte der aber um fünf Prozent jährlich zunehmen, müssen die Luftverkehrsgesellschaften weltweit sogar 104 Milliarden Dollar zusätzlich aufwenden. Es ist für die Fluglinien allerdings nur ein schwacher Trost, daß die derzeitigen Zahlen sogar einen Rückgang im Linienflugverkehr erkennen lassen.

Bisher war die Bundesrepublik von diesem abwärts zeigenden Trend kaum betroffen, wie Walter E. Stöhrer vom Deutschen Reisebüro (DER) in Nürnberg berichtete. Stöhrer, der für den DRV die Expertengeschäfte in Luftfahrtfragen führt, begründete den Flugreisen-Rückgang im vergangenen Jahr von 8,8 auf 8,5 Millionen Passagen ausschließlich mit Verlusten im Charter-Flugverkehr. Aber in diesen Jahr scheint es auch den Linien an den Kragen zu gehen: Die bislang bekannten Zahlen deuten laut Stöhrer auf „einen drastischen Rückgang des Linienverkehrs in der Bundesrepublik“ hin.

Wie das weltweite Milliarden-Minus ausbalanciert werden soll, weiß auch in Experten-Kreisen niemand. Derzeit versuchen die Luftlinien mit Methoden, die „zum Teil fast Straftatsbestände erfüllen“, die Passagiere in ihre Flugzeuge zu schaffen Bewährtes Mittel sind neben Service-Sonderleistungen vor allem Preisnachlässe. Diese Nachlässe verstoßen in der Regel gegen internationale Absprachen und bisweilen auch gegen nationale Gesetze. Wieder einmal haben die Luftlinien jetzt beteuert, sie wollten ihren Markt säubern und nur noch offiziell gültige Flugpreise verlangen. Käme es dazu, könnten die Verluste in der Tat gemindert werden. Angesichts der vielfach existenzbedrohenden Lage der Luftfahrtindustrie kann man aber kaum glauben, daß der „graue Markt“ mit billigen Tickets verschwinden wird, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz.

Die Lufthansa, einer der Vorkämpfer für „saubere“ Preiskonditionen zumindest in Europa (in Asien mischt auch die Lufthansa mit beim Preispoker), will aber auch mit deutlichen Verbesserungen ihres Services dem Passagierschwund entgegenwirken. Eser kündigte ein ganzes Bündel von Neuerungen an. Auf innerdeutschen Flügen soll der vielbelästerte „Futterbeutel“ im nächsten Jahr einem „attraktiven Mahlzeitenangebot“ weichen, auf innereuropäischen Flügen soll es mehr warme Mahlzeiten geben. In der „Business-Class“ (der Klasse für Passagiere, die den vollen Listenpreis zahlen) werden bequemere Sitze eingebaut, sollen drei Speisen zur Auswahl geboten werden. Schließlich ist geplant, auf allen Lufthansa-Maschinen die vielkritisierte Aufteilung der Raucher- und Nichtrauchersitze wieder zu ändern, derzeit sind beide durch die Längsgänge getrennt. Im nächsten Jahr heißt es wieder „vorne und hinten statt rechts und links“.

Eine dringend notwendige Verbesserung kann die Lufthansa allerdings immer noch nicht anbieten: die Sitzplatzreservierung auf innerdeutschen Flügen.

Klaus Viedebantt