Unter der Devise „Not macht erfinderisch“ werden derzeit in den Chefetagen der deutschen Zigarettenfirmen Denkmodelle entworfen, die sie aus der bislang schwersten Krise der Nachkriegszeit führen sollen. Nicht nur, daß eine 39-prozentige Tabaksteuererhöhung zum ersten Juni dieses Jahres zu Absatzeinbrüchen führte. Vom ersten Januar 1983 an wird die Branche einen Teil ihrer Berlin-Präferenzen verlieren. Das Berlin-Förderungsgesetz soll noch in diesem Jahr geändert werden und künftig personalintensive Betriebe stärker begünstigen. Nach einer Übergangszeit bis 1987 werden die Zigarettendreher, die einen erheblichen Teil ihrer hochrationalisierten Produktion in Berlin angesiedelt haben, die Hälfte ihrer Präferenzen verlieren.

So wundert es nicht, wenn die Branche ihre Standortpolitik überprüft. Gerüchte aus Hamburg, wonach Marktführer Reemtsma sein Bahrenfelder Werk schließen will, in dem die Bereiche Forschung und Entwicklung, Druckerei sowie eine kleinere Produktion untergebracht sind, werden vom Unternehmen dementiert. Andererseits will Reemtsma-Chef Horst Wiethüchter im kommenden Jahr mit „einer dreistelligen Millionen-Summe“ das Berliner Werk erweitern. Das letzte’ Wort hat die Gesellschafter-Versammlung, die Mitte Dezember entscheiden wird. Und da hat der Großaktionär, die Tchibo-Familie Herz, das Sagen. Auch etliche der siebenhundert Arbeitsplätze in der Reemtsma-Hauptverwaltung scheinen vor dem Rechenstift der Großaktionäre nicht mehr sicher.

Tatsächlich hat sich die Lage der Branche seit der Tabaksteuererhöhung beträchtlich geändert. Statt 130 Milliarden Zigaretten wie im vergangenen Jahr wird die Industrie 1982 nur rund 110 Milliarden Stück herstellen. Schon Ende Juli hatte die Bremer Martin Brinkmann AG Entlassungen bis zum Jahresende angekündigt.

*

Nun hat ihn Philips engagiert: Axel Bartmann, der in letzter Zeit beruflich wenig Fortune hatte, tritt Anfang Januar als neuer deutscher Vertriebschef für die „Lust“-Elektronik des niederländischen Multis an. Es ist sein dritter Job in vier Jahren, aber sicher nicht sein bestbezahlter.

Den bisherigen Höhepunkt seiner Manager-Karriere erlebte Bartmann, als er 1979 zu einem von drei Bevollmächtigten in der Grundig-Holding aufstieg. Als das gesamte Führungstrio beim deutschen Fernsehgeräte-Martkführer schon zwei Jahre später nach Differenzen mit dem Eigentümer Max Grundig ausschied, machten die beiden Bartmann-Kollegen weiter Karriere: Hans-Heinrich Firnges wurde Chef der Quandtschen Batteriefirma Varta, Bruno Lippmann kletterte auf den Sessel des Hertie-Vorstandsvorsitzenden.