Frauen – nicht nur ein Augenschmaus für Männer?" fragte jüngst neugierig die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ein Norbert Blüm, seines Zeichens Arbeitsminister in der neuen Regierung, schaut nicht so sehr aufs Äußere, hebt eher auf innere Werte ab und gerät darüber sehr ins Schwärmen: Treue! Hüten! Verzicht! "Mütterlichkeit ist das Symbol für diese Werte." Mutter sie ist für ihn unersetzlich. Gibt sie ihren Beruf auf zugunsten der Mutter- und Hausfrauenrolle, so ist dies ein Akt der Befreiung, denn, so weiß der Mann Blüm: "Mutterarbeit ist mehr als Erwerbsarbeit." Kernaussagen aus den Leitsätzen der CDU-Sozialausschüsse.

Auch der Bundeskanzler Kohl verband kürzlich seine Liebeserklärung an die deutsche Frau mit einem aufmunternden Ja zum Kind. Was eine Frau und Mutter leiste, müsse endlich honoriert werden. Er denkt dabei an eine eigene Altersversorgung und ein Erziehungsgeld für sie, allerdings erst, "wenn wir aus dem Gröbsten raus sind". Was bekanntlich lange dauern wird.

Vor die Honorierung hat Franz Josef Strauß von der Bruderpartei die gründliche Vorbereitung zur dann hochzulobenden Leistung gesetzt. Unverdrossen fordert er das Hauswirtschaftsjahr für junge Mädchen.

Zum Lob der Mutter gehört, sozusagen als Kehrseite der aufpolierten Medaille, die Androhung einer Strafaktion: Eine Handvoll CDU-Abgeordneter sähe es gern, wenn Frauen, die auf Grund einer sozialen Indikation abtreiben, zur Kasse gebeten würden.

Heiner Geißler, der frischgebackene Familienminister, hat dieses Ansinnen, die Reform des Paragraphen 218 zu unterlaufen, bislang abgelehnt. Er gibt sich überhaupt offener, lernbereit. Zwar weist auch er ganz ungefragt den Frauen einen Platz in der Gesellschaft zu, den diese gar nicht haben wollen: "Es muß mehr Menschen geben, die in der Lage sind, Solidarität und Nächstenliebe auszustrahlen. Da haben die Frauen eine unverzichtbare Aufgabe." Immerhin ist er bereit, sich auch dieses für eine bessere Zukunft vorzustellen: "Die Männer müssen sich mehr als bisher um die Erziehung ihrer Kinder kümmern, um Frauen für ihre Aufgabe in der Gesellschaft freier zu machen."

Dies ist zwar nicht das Abbild seines persönlichen Lebensmodells, trifft aber immerhin den Kern des Problems. Heiner Geißler ist auch in der Lage auszusprechen, was durch wissenschaftliche Untersuchungen längst belegt ist, in konservativen Ohren aber immer noch obszön klingt: "Es ist gut, wenn für das Kleinkind Mutter oder Vater als ständige Bezugsperson da sind." Konsequent nur, daß sein Ministerium betont, Erziehungsgeld müsse auch an Väter gezahlt werden, wenn sie sich für die Vater/Hausmannrolle entscheiden.

Einmal abgesehen davon, daß ein Erziehungsgeld auf absehbare Zeit nicht zu bezahlen ist, gehörte zur Sicherung der vielbeschworenen "Wahlfreiheit" noch mehr. Frauen würden permanent benachteiligt, hat Heiner Geißler festgestellt – in der Politik, in den Gewerkschaften, im Beruf: Für gleiche Arbeit bekommen sie weniger Geld, ihre Ein- und Aufstiegschancen sind gering. Aber ein Antidiskriminierungsgesetz lehnt diese Regierung ab, auch eine Verbesserung des umstrittenen EG-Anpassungsgesetzes: Das Einklagen gleicher Rechte soll den Frauen nicht leichter gemacht werden.