Als Reagan ins Weiße Hans einzog, jubelten die Südafrikaner, weil sie nun den Verfechter der Menschenrechte, Präsident Carter und seinen unbequemen UN-Botschafter Andrew Young, los waren. Die neue Administration in Washington schmeichelte sich, sie werde der Welt jetzt zeigen, wie man das Namibia-Problem löst.

Heute, fast zwei Jahre später, ist man nach einigen hoffnungsvollen Schritten wieder ebenso festgefahren wie zuvor. Dies mußte Vizepräsident Bush feststellen, als er jetzt durch Afrika reiste und die wütende Reaktion der schwarzen Staaten über Südafrikas "Verzögerungstaktik" zu fühlen bekam. Auch das Gespräch von Pit Botha, dem südafrikanischen Außenminister, mit George Shultz hat da keinen Fortschritt gebracht.

Grund der neuerlichen Blockierung ist das Junktim, das die Südafrikaner erfunden und den Amerikanern eingeredet haben: Erst wenn die 18 000 kubanischen Soldaten Angola verlassen haben, ist Pretoria bereit, seine Truppen aus Namibia abzuziehen, und erst dann kann der Prozeß, der zur Unabhängigkeit des Landes führen soll, beginnen.

Angola würde offenbar die Kubaner ganz gerne los. Solange aber immer wieder südafrikanische Vorstöße bis weit in das Innere des Landes hinein erfolgen und solange Pretoria den heimischen Widersacher der angolanischen Regierung, Savimbi, unterstützt, läßt sich die Trennung nicht vollziehen. Jenes Junktim, von dem weder in der UN-Resolution noch bei den bisherigen Verhandlungen die Rede gewesen ist, blockiert nun jeden Fortschritt.

Namibia wird seit 1978 von der DTA, der "Demokratischen Turnhallen Allianz" regiert, einer ursprünglich aus elf ethnischen Gruppen gebildeten Partei, in der die Weißen nur sieben Prozent stellen. Der Geburtsfehler dieser erstmalig von Südafrika nicht mehr total abhängigen, quasi autonomen Regierung, die eine Überleitung zur Unabhängigkeit hätten sein können, war, daß die SWAPO – der Hauptgegner der bisherigen Regierung – an den Wahlen nicht teilgenommen hat.

Damals hofften einige noch, die DTA werde soweit Fuß fassen, daß man 1982 allgemeine Wahlen riskieren könne. Heute sind alle Beobachter darin einig, daß die SWAPO bei allgemeinen Wahlen bis zu 80 Prozent der Stimmen bekommen würde. Dieses Risiko wagt Ministerpräsident Botha angesichts der zunehmenden Rechtsopposition nicht einzugehen zu groß wäre der Vorwurf des Ausverkaufs an die Guerillas. Darum hat er die Mitte November ausgelaufene Legislaturperiode in Namibia um drei Monate verlängert. Attentismus bis Mitte Februar, lautet jetzt die Devise. Gewonnen ist damit gar nichts. Marion Gräfin Dönhoff