Die Fächer Deutsch, Geschichte, Erdkunde "und nicht zuletzt die Fremdsprachen" dienen an bayerischen Gymnasien "dem allgemeinen Ziel der politischen Bildung". Diese Information aus dem Kultusministerium in München wurde jetzt zwei Schülern des Fürstenfeldbrucker Graf-Rasso-Gymnasiums zuteil. Roman Hanig und David Süß, beide 16 Jahre alt, hatten sich beim Minister über den mangelhaften politischen Unterricht in der Schule beklagt: "Ein Jahr lang eine Stunde Sozialkunde pro Woche ist uns zu wenig – besonders, wenn der Unterricht nicht über die Beschreibung von Institutionen hinausgeht." Trotz einer langen Unterschriftenliste mit Autogrammen aus den zehnten Klassen von fünf Münchener Gymnasien reagierte Ministerialrat Steiner negativ. "Änderungen werden von keiner Seite gewünscht", lautete die Antwort. Ein zweiter Brief der Zehntkläßler blieb bislang unbeantwortet. Eine Korrespondenz, die Kultusminister Hans Maier interessieren sollte, zumal er der Universität München als Professor für Politikwissenschaft angehört.

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Politische Bildung im Norden der Bundesrepublik: Mit den Stimmen aller Professoren hat der Senat der Universität Kiel einen Antrag seiner studentischen Mitglieder auf Errichtung einer Walter-Schücking-Stiftung an der Universität "wegen politischer Einseitigkeit" abgelehnt. Der liberale Politiker und Jurist war 1933 von den Nazis seiner Kieler Professur beraubt worden. Aus den Mitteln der geplanten Stiftung sollten Stipendien für Forschungsarbeiten über die nationalsozialistische Hochschulpolitik finanziert werden.

Der Grund der Ablehnung: Präsident und Senatsmehrheit wollten keine besondere Erinnerung an den braunen Terror ohne gleichzeitige Würdigung der "Beeinträchtigung von Forschung und Lehre" und der "persönlichen Verfolgung" von Hochschulangehörigen "bis in die jüngste Gegenwart hinein". Soll heißen: Vom Nationalsozialismus darf nicht geredet werden, wenn nicht im gleichen Atemzug die Krawalle der späten sechziger Jahre verurteilt werden.

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"Die Schule hat die Verpflichtung, sich mit den kritischen Fragen auseinanderzusetzen, die junge Menschen angesichts weltweit wachsender Rüstung und burger Schulsenators Joist Grolle in seinem Entwurf zum Thema Friedenserziehung an den Schulen, dem sich die Kultusminister und Senatoren der sozialdemokratisch regierten Länder angeschlossen haben. "Unser Grundgesetz hat die Entscheidung über den Dienst mit der Waffe an das Gewissen des einzelnen Bürgers gebunden", heißt es in Grolles Erklärung. Es könne daher nicht Sache der Schule sein, für oder gegen die Bereitschaft zur Verteidigung mit der Waffe zu erziehen. "Wohl aber kann sie dazu beitragen, daß in der Diskussion um Frieden und Sicherheit Argumente gewogen, Zusammenhänge geklärt und Informationen geprüft werden. Die Diskussion um die Erhaltung des Friedens muß auch die alternativen Positionen einbeziehen, die durch Vertreter der Friedensbewegung eingebracht werden."

Eine "empirische Verbleibstudie" über das heutige Schicksal ihrer ehemaligen Soziologie- und Politologiestudenten hat die Freie Universität Berlin vorgelegt. Ergebnis: Nur knapp 60 Prozent der befragten Hochschulabsolventen können die erworbenen Qualifikationen beruflich nutzen. Die Arbeitslosigkeit unter den Angehörigen der Absolventenjahrgänge 1974 bis 1980 ist allerdings mit knapp fünf Prozent "ungleich geringer als bisher angenommen", konstatiert Peter Grottian, Professor am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der FU. Auch die relativ hohe Zufriedenheit der examinierten Soziologen und Politologen mit ihrer beruflichen Situation passe nicht so recht zur "Kultur des Jammerns" in der Öffentlichkeit.

Peter Pedell