Es wird Gedenkfeiern und Würdigungen geben, die das Verhältnis der beiden Länder über die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten hinaus erheben können. Dreihundert Jahre deutsche Auswanderung nach Amerika, drei Jahrhunderte, die der Neuen Welt Talent und Tatendrang aus Deutschland bescherten, bieten Stoff genug für eine vielfältige Bilanz. Eine "Festschrift" nennt der Verlag Heinz Moos in München denn auch seinen Kalender der "300 Years of German Immigrants in North America", den er jetzt für das Jubiläumsjahr 1983 herausgebracht hat. Er zeichnet in Wort (Englisch) und Bild nach, welchen Anteil die deutschstämmigen Amerikaner bei der Entwicklung ihres Landes von der Kolonie zur universalen Weltmacht hatten. Statt engstirnigen Eigenlobs diktiert maßvolles Selbstbewußtsein die Chronologie. Sie beginnt bei den wagemutigen Mennoniten aus Krefeld und führt zu Einstein, von Braun und Kissinger. Neben aller Anerkennung des deutschen Mitwirkens beim Aufbau eines großen Landes vermittelt die Festschrift jedoch auch eine wehmütige Erkenntnis: Wie sehr die Auswanderungsbewegung Amerika reicher und Deutschland ärmer gemacht hat. (Das Bild zeigt Albert Einstein und seine Tochter bei der Vereidigung auf die amerikanische Verfassung am 1. Oktober 1940.)

-hl