Die Geschichte von Swimmy, dem kleinen Fisch, der auf einen Schwarm verängstigter Fische trifft, die er dazu ermutigt, in großer Formation ins offene gefährliche Meer zu schwimmen, diese Parabel über Courage und Solidarität ist eine der bekanntesten Geschichten des italienischen Künstlers Leo Lionni. Wie fast alle Bilderbücher des Graphikers ermutigt auch dieses zu mitmenschlichem, couragiertem Handeln.

Kein Zufall, daß Volker König sich gerade diesen modernen Klassiker zum Vorwurf für ein außergewöhnliches Projekt gewählt hat. Dazu bedurfte es großer Organisationskraft, Erfindergabe, Phantasie und Hartnäckigkeit. Was der junge Hamburger Diplomingenieur realisiert hat, verlangt großen Zeitaufwand und immense Herstel-Hamburger Mit Helfern, Freunden und Mäzenen hat König aus Lionnis "Swimmy" ein Bilderbuch für Blinde gemacht.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Projekt gab es viele Hürden zu nehmen. König finanzierte selbst zunächst in privater Initiative zwanzig Exemplare. In einer Tiefziehanlage wurden die ersten haptisch erfaßbaren Abzüge der Tastfolien hergestellt. Nach diesem "privaten" Vorlauf und einer Testphase in Kindergärten und Blindenschulen organisierte König dann die endgültige Realisation dieses nicht kommerziellen Projekts (Auflage: 500 Stück).

Die Arbeiterwohlfahrt, das Rote Kreuz, Gertraud Middelhauve, die zu diesem Vorhaben die Lizenz gab, ein polnischer Asylbewerber, der die Folienabzüge herstellte, zwei großzügige Geldgeber und schließlich die Gymnasiasten einer Wedeler Schulklasse, die in ihren Herbstferien die Exemplare gebunden und beklebt haben, machten das Vorhaben möglich.

Es gab eine an Wunder grenzende Kooperation von verschiedenen Institutionen (die normalerweise eher rivalisieren), es gab das Engagement einzelner und überraschend unbürokratische Reaktionen der sonst eher schwerfällig arbeitenden Behörden. Wesentlichen Anteil am Gelingen haben Lothar Barop, erster Vorsitzender des Sozialausschusses in Wedel und Otto Stock, der Kassierer der Arbeiterwohlfahrt, dem es gelang, die Schüler zu überzeugen, an diesem Buch mitzuarbeiten. Ohne die beharrliche Regie von Volker König wäre es dennoch nicht zustande gekommen: ein Bilderbuch, das blinden Kindern Gelegenheit gibt, Wahrnehmung zu trainieren, Bilder zu "begreifen", den vorgelesenen Text und die in Folie gestanzten Dinge einander zuzuordnen, akustische und taktile Informationen zu koordinieren. Im sachkundigen Begleitbrief an Eltern oder Erzieher haben Volker König, Hanna Garthe und Marie-Luise König, die drei Ideen-Urheber, den Erwachsenen empfohlen, das haptische Erlebnis der Kinder zu ergänzen: mit ihnen Tiere und Pflanzen aus Wachs oder Knetmasse zu gestalten.

Dieses wichtige schöne Bilderbuch für Kinder, die nicht das Glück haben, Bilder sehen zu können, ist kostenlos zu bestellen bei der Arbeiterwohlfahrt, Am Lohhof 51, 2000 Wedel.

Volker König, Diplomingenieur und Erfinder zahlreicher Geräte, Initiator vieler Projekte zur Rehabilitation blinder Menschen, ist glücklich, daß dieses Buch noch rechtzeitig zu Weihnachten fertig geworden ist. Daß er Lionnis märchenhaftes Gleichnis vom Mut des einzelnen und der Wirkung von Solidarität der vielen unter Tausenden von Kinderbüchern auswählte, hat Gründe: Volker König ist mit vierundzwanzig Jahren selbst erblindet. Ute Blaich