München

Am Anfang war das große Wort. Von "Blumen-Olympiade" schwärmten Stadträte und Gärtner, von der bedeutendsten Großveranstaltung nach den Olympischen Spielen vor zehn Jahren. Doch jetzt sieht es so aus, als ob München nächstes Jahr eine mittelprächtige Pleite ins Haus stehen wird: Die Internationale Garteribauaustellung, kurz IGA genannt, wird ihren Rekord wohl weniger mit den Besuchern machen, als mit Krachen und Intrigen.

"Wenn am 28. April zur Eröffnung die Blumen blühen, dann ist das nur ein Erfolg der Natur. Die IGA-Macher würden sich auch darüber noch zanken," meint ein Stadtrat sarkastisch.

Dabei hatte alles gut angefangen. Als sich München 1977 um die IGA bewarb – diese Superschau findet alle zehn Jahre statt – berief der Stadtrat damals den eben ausgeschiedenen Stadtentwicklungsreferenten Detlef Marx zu Deutschlands höchstbezahltem Gärtner. Ein Etat von gut 225 Millionen Mark, ein Stab von Mitarbeitern, eine Handvoll kreativer Professoren und ein weitgehend freies Gelände im Westen der Stadt galten als beste Voraussetzung für einen guten Start.

Wenn Münchens Stadtväter heute Bilanz ziehen, wird ihnen indes angst und bange. Zwar hat der im Umgang mit Etats versierter Marx keinen Pfennig mehr ausgegeben als geplant dafür haben aber 25 seiner 77 Mitarbeiter das Handtuch geworfen. "Betriebsklima" heißt die lakonische Erklärung. Zudem scheint es die Münchener, die vor den Toren der Stadt die schönsten natürlichen Erholungsgebiete finden, nicht sonderlich in die kunstvoll gestaltete Parklandschaft zu ziehen. Bis jetzt wurden nur 25 000 Dauerkarten (Preis: 60 Mark) verkauft, Marx’ Soll aber liegt bei knapp 200 000, die er bis Weihnachten verkauft haben soll.

Und auch sonst gab’s allerhand Pleiten. Als offizielles IGA-Plakat ließ Marx einen Entwurf mit "hoher Signalwirkung" kleben – eine grüne Hand mit einer weißen Margerite auf dem ausgestreckten Zeigefinger. Als 22 500 der geplanten 800 000 Plakate, Handzettel und Faltpläne gedruckt waren, mißfiel manchem Stadtrat der "Wasserleichen-Stil" des Druckwerks. Es wurde gestoppt, nächste Woche soll ein neues Plakat her.

Selbst die flaschengrünen Kostüme der IGA-Hostessen blieben bis jetzt nur kühner Entwurf. Marx, den mit Modewochen-Chef Alfred Wurm herzliche Abneigung verbindet, fand keinen Münchener Schneider, der seine Kostüme mit Nadel und Faden realisieren wollte. Über das, was da wohl hinter den Kulissen lief, fiel Otto Lerchenmüller, CSU-Stadtrat und IGA-Aufsichtsrat, nur noch der Satz ein: "Das darf doch alles nicht wahr sein."