Ärger über Margaret Thatcher, die ein Uberkabinett schaffen will

Von Karl-Heinz Wocker

London, Ende November

Margaret Thatcher denkt an ihre zweite Amtszeit. Das ist nicht neu. Sie hat stets versichert, um Großbritannien umzukrempeln, benötige sie mindestens zwei Legislaturperioden, also ein gutes Jahrzehnt. Da die Premierministerin an ihrer Wiederwahl nicht zweifelt – oder jedenfalls solche Besorgnisse nicht öffentlich zeigt – unterscheiden die Briten bereits zwischen dem, was sie noch vor den Wahlen erledigen will und kann, und dem, was sie bereits für die nächste Runde vorbereitet.

War das Generalthema der ersten Jahre ein Abbau des Staatseinflusses in Wirtschaft und Gesellschaft, so soll von 1984 an auch eine Reform des Staatsapparates folgen. Die Premierministerin ist – man weiß es, man kann es manchmal nicht überhören – von der Arbeitsweise der eigenen Regierungsinstanzen tief enttäuscht. Mitunter hat man zwar den Eindruck, sie Sei vor allem mit ein paar Leuten dieses Apparates, genannt Ministern, unzufrieden, und da läge womöglich die Wurzel ihres Änderungseifers. Aber sie hat im ablaufenden Jahr gelernt, daß das übliche Mittel gegen versagende oder eigenwillige Ressortchefs – eine Kabinettsumbildung – nur vom Regen in die Traufe führt.

Pyms Protest

Lord Carrington durch Francis Pym an der Spitze des Außenamtes zu ersetzen war zum Beispiel solch ein Fall der Verschlimmbesserung (wie sie es sieht). Pym belehrt zwar nicht, wie das sein Vorgänger tat, aber er beschwert sich, und zwar auch ganz offen. Er kennt seinen Rückhalt in Partei und Fraktion, was bei einem Ex-Unterhausführer nicht anders zu erwarten ist. Daß Frau Thatcher sich vom 1. Januar an einen eigenen außenpolitischen Berater zulegt, der nicht dem Foreign Office und Mr. Pym untersteht, hat der Außenminister ungeniert als verfassungswidrig bezeichnet. Dem Vernehmen nach entstand daraus schon zum zweiten Mal eine Situation, in der Innenminister Whitelaw mehrfach zwischen Downing Street 10 und dem gegenüberliegenden Auswärtigen Amt als Vermittler hin und her eilend angetroffen worden sein soll. Das erste Mal war dies nötig, als Chefin und Außenminister sich über der Abwicklung des Falklandkrieges entzweiten, jener zur britischen Schicksalsstunde stilisierten kleinen Begebenheit am Rande der südlichen Welthälfte.