Man spitzt die Ohren, wenn der Präsident des Goethe-Instituts in München auf der Mitgliederversammlung erklärt, er habe "bis heute keinerlei Anzeichen dafür bemerkt, daß sich nach dem Regierungswechsel in Bonn irgend etwas Entscheidendes am Kurs der auswärtigen Kulturpolitik ändern wird". Weshalb sagt Klaus von Bismarck einen solchen Satz? Wittert der erfahrene Praktiker, der die Gräben immer wieder zuschüttet, die bei uns, stärker als in anderen Ländern, politische Parteien und kulturelle Kreise trennen, einen Klimasturz in der Kulturpolitik?

Unübersehbar sind in einer Zeit, da die Zahlen der Arbeitslosen steigen und die Etats für Kultur sinken, die Anzeichen von Vorsicht und Bedächtigkeit, die im geistigen Leben rasch zu Stillstand und Leisetreterei führen. Deshalb ist es gut, wenn der Mann, der die größte Mittlergesellschaft für deutsche Kultur im Ausland leitet, daran erinnert, daß die 132 Zweigstellen des Goethe-Instituts in 66 Ländern keine Werbeagenturen für die jeweilige Regierung sein dürfen. Gerade in einer Phase, da weniger Ausländer Deutsch lernen, muß das Goethe-Institut Kurs halten. Mit ihrer liberalen Kulturpolitik hat die Bundesrepublik im Ausland einen guten Ruf zu verteidigen. R. M.