Jürgen Warnke, CSU-Entwicklungshilfe-Minister, plauderte recht ungeniert. Wer „uns ans Schienbein tritt“, sagte er im Fernsehen, dürfe natürlich nicht damit rechnen, als bevorzugter Partner behandelt zu werden. Und künftig werde Bonn allen Empfänger-Ländern „unsere Vorstellungen unterbreiten“, an deren hartem Kern kein Zweifel besteht. Wohlverhalten ist wieder gefragt – im Ost-West-Konflikt, im Nord-Süd-Dialog, Zurückhaltung im afrikanischen Rassenstreit, bei der Beurteilung der amerikanischen Politik: Wes’ Brot du ißt, des’ Lied hast du zu singen. Blockfreiheit hat in diesem Konzept sowenig Platz wie der Versuch, einen eigenen Entwicklungsweg zu gehen.

Also doch eine außenpolitische Wende, vollzogen zu Lasten der schwächsten, auf Hilfe angewiesenen Staaten. Außer Schaden für das Ansehen der Bundesrepublik wird sie nicht viel bewirken; anderes kann nur glauben, wer fünfzehn Jahre Geschichte der Dritten Welt nicht zur Kenntnis nimmt. Daß angesichts leerer Kassen Bonn seine Entwicklungshilfe-Politik einschränken will, läßt sich noch verstehen; aber diesen Rückschritt haben weder Geber noch Empfänger verdient. H. B.