Verfrühter Service

Viele Tageszeitungen drucken zum Jahreswechsel ein Kalenderblatt, das die Leser durch das neue Jahr mit seinen Feiertagen und Ferienterminen begleitet. Die Leser des Neuen Deutschland fanden jetzt schon den Kalender für 1983 ihrer Zeitung beigelegt. Zwischen dem 3. Januar ("1876 Wilhelm Pieck geboren") und dem 30. Dezember ("1918 Gründung der KPD") finden sich die Fest-, Gedenk- und Kampftage des SED-Jahres. Interessant ist die Erwähnung des Geburts- und Todestages von Honeckers lange totgeschwiegenem Vorgänger Walter Ulbricht; wichtiger für die meisten Leser ist die Zahl der arbeitsfreien Tage, von den Wochenenden abgesehen nur drei: Pfingstmontag, der Nationalfeiertag der DDR am 7. Oktober und der zweite Weihnachtstag. Unliebsame Folge der frühen Auslieferung: Während unter dem 19. Dezember brav die Geburt Leonid Breschnjews im Jahre 1906 registriert wird, heißt sein Todestag, der 10. November, immer noch "Weltjugendtag". Werden sich die FDJler und ihre ausländischen Freunde einen neuen Tag zum gegenseitigen Zujubeln suchen?

Franzosen und Ausländer

In Frankreich leben mindestens 4,2 Millionen Ausländer; das sind acht Prozent der Bevölkerung. Die meisten kommen aus früheren französischen Kolonien – aus Nordafrika und aus den armen Ländern südlich der Sahara. Bilder aus den Vorstädten von Paris zeigen Ausländergettos, die an die Slums der Dritten Welt erinnern. Nach ihrem Amtsantritt im vorigen Jahr wollte die sozialistische Regierung den Status der Ausländer verbessern. Eine Maßnahme: Illegal Eingereisten wurde die nachträgliche Genehmigung ihres Aufenthalts zugesichert, falls sie vor 1981 ins Land gekommen waren und seit ihrer Ankunft immer gearbeitet hatten – und sei es als Schwarzarbeiter. 150 000 Ausländer sind so legalisiert worden; 20 000 Antragsteller aber wurden abgelehnt, weil sie ihre Jobs nicht nachweisen konnten. Diese Ausländer werden jetzt ausgewiesen. Die Maßnahme erfolgt in einem Klima der Fremdenfeindlichkeit, die, wie hierzulande, viel mit der Wirtschaftsflaute zu tun hat. Die "Bewegung gegen Rassismus" sah sich nach mehreren Bombendrohungen gezwungen, ihr Büro in einem Pariser Arbeiterviertel mit einer elektronischen Überwachungsanlage zu schützen.

Briten und Briten

Im Frühjahr zogen die Engländer für sie in den Krieg, aber jetzt erst werden sie Briten mit allen Rechten: Auf Initiative des Oberhauses erhalten alle Bewohner der Falkland-Inseln das Recht auf freie Niederlassung im Mutterland, nicht wie bisher nur diejenigen, die noch in Großbritannien geborene Großeltern nachweisen können. Andererseits macht das neue britische Staatsbürgerschaftsgesetz viele Menschen zu Briten, ohne ihnen zu erlauben, in Großbritannien zu wohnen: Abriegelung der Insel gegen farbige Einwanderer. British sollen auf ausdrücklichen Wunsch Margaret Thatchers jetzt auch die 2,6 Millionen anerkannten Bürger von Hongkong werden; das ist die halbe Bevölkerung der Kronkolonie. Aber auch mit dem neuen Paß dürfen sie nicht von Hongkong an die Themse ziehen – nach der jetzt bevorstehenden Regelung selbst dann nicht, wenn sie politischer Umstände wegen zu Flüchtlingen würden.

Kammergericht hebt Verbot auf

Das Bundeskartellamt hat im Januar 1981 die Beteiligung von Gruner + Jahr am ZEITverlag untersagt, wie sie Dr. Gerd Bucerius seit einiger Zeit angestrebt hatte. Vorige Woche hob nun der Kartellsenat des Berliner Kammergerichtes dieses Verbot auf. Ob das Bundeskartellamt von der Möglichkeit Gebrauch macht, beim Bundesgerichtshof Beschwerde einzulegen, ist noch nicht bekannt.