Von Gunhild Freese

Das Klima, so findet Kaffee-Röster Gunter Herz, "ist rauher geworden". In diesem Jahr wird seine Firma Tchibo, größter heimischer Kaffeefilialist und -Versender, gerade "bei plus/minus null" enden – denn: "Das Mengenwachstum ist raus."

Auch Tchibos Dauerkonkurrent Jacobs schneidet nicht besser ab. Gerhard Zinser, Jacobs-Chef in Bremen, entdeckte "zum erstenmal Stagnation". Und obendrein ist das Geschäft auch noch "weniger profitabel".

Erstmals seit/1950 müssen die heimischen Bohnenanbieter mit einer Situation fertig werden, die andere Branchen schon fast als Traumziel ansehen: Nullwachstum. Nach regelmäßigen jährlichen Zuwächsen von drei bis fünf Prozent hält sich der Kaffeemarkt derzeit lediglich auf Vorjahresniveau. Von Oktober 1981 bis September 1982, dem Kaffeejahr, wurden von deutschen Röstern 7,36 Millionen Sack Rohkaffee zu je sechzig Kilo importiert – wie schon in der Vorjahresperiode. Und auch der Bonner Finanzminister bekommt nicht mehr. Von Januar bis Oktober 1982 zahlte die Branche mit 1,39 Milliarden Mark nicht mehr Kaffeesteuer in die Bonner Kasse als 1981.

Die Verbraucher, mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsum von über 198 Litern im Jahr tüchtige Kaffeetrinker, wurden sparsamer. Der heftige Wettbewerb unter den sechs großen Anbietern, Tchibo, Jacobs, Eduscho, Aldi, Hag-General Foods und Melitta, die zusammen gut 85 Prozent des Marktes beherrschen, gewinnt so noch an Schärfe. Und wie so häufig bei hart umkämpften Märkten, wird der Wettbewerb auch schon mal in den Gerichtssaal verlagert.

Ende November standen sich vor dem Hamburger Landgericht die Kaffeekonkurrenten Melitta und Jacobs gegenüber. Jacobs, größter Lieferant des Lebensmittelhandels, hatte die gesamte Konkurrenz, deren Vertreter denn auch als Beobachter mit im Gerichtssaal saßen, herausgefordert. Anfang November nämlich waren die Bremer mit einer neuen Sorte namens "Meisterröstung" zunächst auf dem Testmarkt im Saarland aufgetaucht und hatten dabei – wie die Anwälte von Melitta meinten – zuviel versprochen. Mit Hilfe eines kürzeren Röstverfahrens, das Jacobs als "Durchbruch in eine neue Welt" feiert, werden die Bohnen statt bislang sechs bis neun Minuten nur noch 90 bis 180 Sekunden gebrannt und somit entweder ergiebiger (Zinser: "ein Popcorn-Effekt") oder aromatischer gemacht. So schickte Jacobs-Chef Zinser seine Hauptmarke "Krönung" als "neu" und "aromatischer" in den Markt. Für die neue Meisterröstung indes – Hauptärgernis für die Konkurrenten – wird das gemahlene Pulver so aufgeblasen, daß in eine 500-Gramm-Packung nur noch 400 Gramm gemahlenen Kaffees passen. Die Hausfrau spart zwanzig Prozent Kaffee und verzichtet, so versichern die Röster, nicht auf Aroma.

Mit der neuen Billigsorte reagierte Jacobs auf den schwieriger gewordenen Markt. Denn die Kaffeekunden sehen wieder auf die Mark. Während die teuren Kaffees, zu denen auch Jacobs Hauptmarke Krönung zählt, an Terrain verlieren, gewinnen die billigen Bohnen hinzu.