Nun ist auch der Inhaber eines der höchsten Ämter der Republik ein wenig ins Gerede geraten: Richard Stücklen, Präsident des Deutschen Bundestages. Die BMS-Ingenieurgesellschaft mbH & Co KG, Köln (BMS steht für Brandt, Maaß und Stücklen), eine Firma, an der Stücklen zu 50 Prozent beteiligt ist, soll nach Berichten des Hamburger "Spiegel" Aufträge für die inzwischen wegen Geldmangels vertagten Bundeshausneubauten erhalten haben.

Langfristig wäre das sicher eine lukrative Angelegenheit gewesen, denn die geplanten Bundeshausneubauten sollten einige hundert Millionen kosten. Aber selbst wenn die Stücklen-Firma BMS viele Millionenaufträge erhalten hätte, hätte sich der Bundestagspräsident keine Vorwürfe machen müssen. Er hat sich nämlich an die Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages gehalten. Der Grundsatz lautet: Jedes Mitglied des Bundestages hat seinen Beruf einschließlich der Personen, Firmen, Institutionen oder Vereinigungen, für die er beruflich tätig ist, genau anzugeben."

Stücklen hat seine Gesellschafterfunktion bei der BMS im Bundestagshandbuch genau angegeben. Beruflich ist Stücklen für die BMS nicht einmal mehr tätig, weil sein Amt ihm keine Zeit läßt.

Über die Vergabe von Bauaufträgen wird außerdem nicht im Bundestagspräsidium entschieden, sondern bei der Bundesbaudirektion. Und wenn dort jemand sitzen sollte, der Stücklens BMS-Gesellschaftsanteilen Gutes tun wollte, so war das zwar ein falscher Stücklen-Freund, dem Bundestagspräsidenten ist das aber kaum anzulasten. Schließlich hat er auf die Bundesbaudirektion nicht den geringsten Einfluß.

Dem neuen Postminister Christian Schwarz-Schilling wird auch niemand einen Strick drehen können, nur weil seine Buedinger Firma Sonnenschein in den Jahren 1977 bis 1981 von den damaligen Forschungsministern Hans Matthöfer, Volker Hauff und Andreas von Bülow 1 542 590 Mark bekommen hat.

Ehe solche Gelder vergeben werden, müssen die Projekte von Gutachtern geprüft werden, und die Beamten, die später die Gelder bewilligen, kennen oft nicht einmal die Firmeneigentümer.

Anders aber liegen die Dinge bei den übrigen Aktivitäten Schwarz-Schillings. Seine beruf-, liche Arbeit – Geschäftsführer bei der seiner Frau gehörenden Firma Accumulatorenfabrik Sonnenschein – hatte Schwarzdes Postministeramtes korrekt aufgegeben.