Wer Hut, Stock oder Regenschirm im Zugabteil vergessen hat, kann der Bundesbahn einen "Nachforschungsauftrag" erteilen. Auf diesem Wege haben bereits viele Bahnkunden ihre Siebensachen zurückbekommen. Für eine höhere Erfolgsquote soll nun die geänderte "Fundvorschrift" sorgen.

Immerhin rund 300 000 Gegenstände, so hat die Bundesbahn ermittelt, werden alljährlich von Reisenden im Zug vergessen oder verloren. Über die Fundstellen an Fahrkartenschaltern und Expreßgutabfertigungen konnte pro Jahr etwa ein Drittel davon an die "Verlierer" zurückgegeben werden. Vom 1. November 1982 an indes muß sich nicht mehr das Schalterpersonal um die Fundsachen kümmern. Diese Aufgabe haben acht zentrale Fundbüros in Hamburg, Hannover, Stuttgart, Frankfurt, Wuppertal, Karlsruhe, München und Nürnberg übernommen. Hier will man nun für eine zügigere Abfertigung sorgen und noch mehr Bahnkunden als bisher wieder zu ihrem Hab und Gut verhelfen.

Auf die Suche nach Koffer oder Brieftasche, nach Golfsack oder Skiausrüstung kann man sich mittels des sogenannten Nachforschungsauftrages begeben. Vordrucke gibt es außer am Bahnhof auch in Reisebüros mit Fahrkartenverkauf. Der Antrag kann, präzise ausgefüllt, auch dort wieder abgegeben werden. Wer die Sache beschleunigen will, sollte das Formular jedoch direkt an eines der Fundbüros schicken. Wenn der Gegenstand bereits vorliegt, wird er – je nach Größe – entweder per Post oder per Bahnfracht auf den Weg gebracht.

Zahlen muß man für diesen Service die übliche Postgebühr beziehungsweise Frachtkosten in Höhe von neun Mark pro Stück (Einzelgewicht bis 30 Kilogramm). Außerdem bekommt der Antragsteller eine Bearbeitungsgebühr aufgebrummt, die sich nach dem Wert des Gegenstandes richtet und die derzeit bei fünf Mark je hundert Mark Wert liegt. Reisende, die sofort nach dem Aussteigen bemerken, daß ihr Gepäck unvollständig ist, können einen Beamten am Fahrkartenschalter mit der telefonischen Suche beauftragen. Hierzu muß man allerdings angeben, welchen Zielort der Zug hat. Das Telephongespräch gibt es zum Nulltarif.

Fundsachen bis zu einem Wert von zehn Mark bewahrt die Bahn einen Monat, alles andere zwei Monate auf. Wer innerhalb dieses Zeitraumes sein Eigentum nicht angefordert hat, muß es abschreiben. Denn dann werden die Gegenstände versteigert, verlorenes Geld allerdings behält die Bundesbahn – ob ihr das irgendwann aus den roten Zahlen hilft? Brigitte Wolter