Gibt es dies wirklich erst seit acht Jahren: "Cruise-Missiles", "Könsumterror", "Jobsharing", "Computertomographie" und die "Nulloption"? Bei jeder neuen Auflage des "Fremdwörter-Dudens" das Erstaunen darüber, wie langsam und doch auch schnell dieses verdächtige, aber unerläßliche "Standardwerk zur deutschen Sprache" (wie es der Verlag stolz nennt), sich den Entwicklungen der Zeit und deren Moden anpaßt. Unter den 3000 neuen Wörtern, die seit der letzten Auflage 1974 aufgenommen wurden, findet man zwar schon die "Biofeedback-Methode", die "Boat people" und die "Rollerdisco", aber weshalb erst jetzt das gute alte "Ristorante", die auch nicht mehr taufrische "Debütantin", "Autosex" und die "Anonymen Alkoholiker"? Wie jedes Lexikon läßt sich auch dieses Buch der Fremdwörter, von denen es immerhin 100 000 gibt, lesen – als Spiegel der Veränderungen in einer lebendigen Gesellschaft. Die "Freßwelle" hinterläßt ihre Spuren ("Kir", "Cassis", "Croissant") ebenso wie die Musik-Szene ("Minimal Music", "New Wave", "Punk"), die Frauenbewegung ("Emanze", "Macho"), die "Sexwelle" ("Peep-Show", "Phallograph", "Erektometer") oder die sich in ihrem unmenschlichen Vokabular selber anklagende Pädagogik, die das Wort "Reformen" auf lange Zeit in Verruf gebracht hat ("didaktisieren"). Neben neuen Wörtern wie "abgefuckt", "Chemokeule" oder – Grüß Gott, Herr Kohl! – "Generalist" gibt es die neue Bedeutung für Wörter wie "alternativ", "definieren", "rosa", "soft" oder "Domina". Ein Buch für den täglichen Gebrauch. (4. erweiterte Auflage, bearbeitet von Wolfgang Müller und zahlreichen Fachwissenschaftlern; Bibliographisches Institut, Mannheim, 1982; 813 S., 29,80 DM.)