Volksfeststimmung wie bei den großen Friedensdemonstrationen kam nicht auf. Zehntausende Schüler und Studenten demonstrierten in der Bonner Innenstadt gegen die Bafög-Kürzungen. Sie demonstrierten Ohnmacht. Der parlamentarische Gang der Entwicklung stand außer Frage, nachdem die Freien Demokraten mit ihren späten Milderungswünschen klein beigegeben hatten – trotz aller Rückendeckung von Experten, Betroffenen und öffentlicher Meinung und trotz heimlicher, zaghafter Sympathiebekundungen von Bildungspolitikern aus den Reihen der Unionsfraktion.

Ohnmacht der Studenten – das Wort "Frust" war häufiger zu hören – Ohnmacht eines Wahlkämpfers: Statt des angekündigten Ex-Bildungsministers Björn Engholm trat Hamburgs Bürgermeister Klaus von Dohnanyi als Repräsentant der Sozialdemokratie vor die Demonstranten. Er wurde ausgepfiffen und ausgebuht, beinahe ganz am Reden gehindert. Die studentische Linke honoriert die Oppositionsrolle der SPD offenbar nicht.

Als das Kabinett Kohl seine Bafög-Pläne im Oktober vorstellte, war im Kölner Expreß zu lesen, Arbeitsminister Blüm meine, weniger Geld für Studenten würde endlich für mehr Parkplätze im Bereich der Bonner Universität sorgen. Ärgerliches Dementi des Ministers.

Hat der Minister aber listige Parteifreunde, die ihn rechtfertigen wollen, auch für Äußerungen, die er nie gemacht haben will? Die aufwendig gemachte Zeitschrift des christdemokratisch beherrschten AStA der Uni Bonn läßt inmitten von Artikeln, die mit den Bafög-Plänen der Parteifreunde im Kabinett abrechnen, einen Studenten wortreich über die gräßliche Parkraumnot rund um die Universität klagen.

Die Zahl der Arbeitslosen hat die gefürchtete Grenze von zwei Millionen überschritten. Da erscheint diese Meldung aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung wie die Kunde vom Tropfen auf dem heißen Stein: 28 von 48 Jugendlichen, die aus der Sonderschule abgegangen waren, haben in Nürnberg einen Modellversuch des Deutschen Handwerkskammertages erfolgreich absolviert. In einem Förderungslehrgang durchliefen die Jugendlichen ein Jahr lang Kurse in den Berufsbereichen Metall, Bau, Holz und Farbe. Parallel zur anschließenden Berufsausbildung – drei Jahre normale Lehre – hatten die jungen Leute die Möglichkeit, an einem "Stützkurs" teilzunehmen. Nun können sie einen vollwertigen Berufsabschluß nachweisen. Das Bundesinstitut bezeichnet den erfolgreichen Abschluß der Sonderschüler als ein "positives Signal". Jugendliche mit dem Abgangszeugnis einer Sonderschule finden sich sonst auf dem heutigen Arbeits- und Ausbildungsmarkt allenfalls als Hilfsarbeiter wieder. Das vom Bonner Bildungsministerium unterstützte Nürnberger Modell ist eine vernünftige Alternative, teurer allerdings als die Vorstellung der Ministerin Dorothee Wilms, mit zeitlich und inhaltlich reduzierten Ausbildungsgängen Industrie und Jugendlichen gleichermaßen zu nützen.

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In der Bundesrepublik leben gerade 200 Deutsche mit guten Kenntnissen der japanischen Sprache. In Japan dagegen lernen rund 20 000 Menschen Deutsch – ein ungleiches Verhältnis, fand Georg Ballod, Leiter der Christopherusschule im nordpfälzischen Weierhof. Seit einigen Tagen bietet das Internat im Donnersbergkreis als erste Schule in der Bundesrepublik Japanisch an – als dritte Fremdsprache. Setsuko Mochida, die dort 20 Jungen und Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren Sprache und Schrift Nippons beibringen soll, hat auch mit der Arbeit an einem neuen Lehrbuch begonnen. Der Schulleiter Ballod legt Wert auf die Feststellung, daß es sich bei der exotischen Neuerung an seiner Schule nicht um einen Werbegag handelt. Vielmehr möchte er damit seinen Schülern "das Verständnis für eine andere Kultur vermitteln".

Peter Pedell