Als ich mir 1960 als Gymnasiast ein Exemplar des Tausenddrucks des Buches "Der Schatten des Körpers des Kutschers" kaufte, war mit nicht klar, daß ich ein Dokument des Abschieds und des Neubeginns in der Hand hielt: die der Erzählung beigefügten Collagen waren die letzten Arbeiten des Malers Peter Weiss. Zwar ist das schriftstellerische Werk – vom "Marat/Sade" bis zur "Ästhetik des Widerstands" – ohne Beziehung zur Malerei, zum Bild, zum bildnerischen Denken nicht vorstellbar, doch stand die dramatische Entscheidung, den Pinsel endgültig mit der Schreibmaschine zu tauschen, ein für allemal fest, nachdem Walter Höllerer den Erstling des Autors an Suhrkamp vermittelt hatte. In einem Gespräch mit Peter Roos, das den jetzt erschienenen Katalog sämtlicher bildnerischer Arbeiten von Peter Weiss einleitet, erzählt der von Berlin über London, Prag und die Schweiz nach Schweden emigrierte Autor, wie er in der Isolation und gegen alle Widerstände Maler wurde. Es kann bei dieser Biographie nicht verwundern, daß der von Bosch und Breughel, von der Neuen Sachlichkeit und später vom Surrealismus beeinflußte Peter Weiß keinen "eigenen Stil" fand. Doch fügen sich die Motive des Grauens, des Todes und des Untergangs so stark zusammen, daß sie im Abstand einen eigenen und eigenwilligen Text ergeben, der die autobiographischen Romane nicht nur illustriert, sondern um eine andere Dimension erweitert. ("Der Maler Peter Weiss – Bilder, Zeichnungen, Collagen, Filme"; Verlag. Frölich & Kaufmann, Berlin, 1982; 284 S., viele, zum Teil farbige Abbildungen, 58,– DM) Michael Krüger