Die großen Fünf wollen die

Von Rudolf Herlt

Die Finanzminister und Notenbankpräsidenten aus den fünf großen Industrienationen USA, Großbritannien, Frankreich, Japan und der Bundesrepublik trafen sich am 9. Dezember im Schloßhotel Kronberg vor den Toren Frankfurts. Sie stellten sich nicht der Presse, veröffentlichten kein Kommunique. Was veranlaßte die „Gruppe der Fünf“, die es offiziell gar nicht gibt, zu diesem geheimnisvollen Vorgehen?

Mehrere Entwicklungs- und Ostblockländer können ihre Auslandsschulden nicht mehr pünktlich zurückzahlen. Ihre Zahlungsunfähigkeit ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern droht immer stärker auch den Welthandel in Mitleidenschaft zu ziehen. Wer keinen Kredit mehr bekommt, kann auch nicht importieren. Seit Mexiko gleichsam über Nacht zum Problem geworden war, weil es Zinsen und Tilgungen für seine Auslandsschulden nicht mehr pünktlich bezahlen konnte, ist das Undenkbare denkbar geworden: eine Kettenreaktion, die zum großen Krach führt.

Die Angst vor dem Abgrund steckt den Politikern schon länger in den Knochen. Auf dem Versailler Wirtschaftsgipfel im Juni dieses Jahres haben darum die Regierungen der sieben großen Industrieländer zur Vorbereitung einer Therapie einige Verpflichtungen übernommen. Aber wer glaubte angesichts so vieler Gipfelschwüre noch, daß sie ihren Worten Taten folgen lassen wollten? Damals gelobten sie, dafür zu sorgen, daß die Rolle des Internationalen Währungsfonds (siehe Kisten) gestärkt werde. Die fünf Länder, deren Währungen den Korb des internationalen Kunstgeldes „Sonderziehungsrechte“ bilden – sie sind mit denen identisch, die in Kronberg versammelt waren wollten dem Fonds bei seiner Aufgabe helfen, die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer zu überwachen. So sollte ein Stück kollektiver Verantwortung ins wirtschaftspolitische Geschehen kommen.

Doch was nutzt die Zusammenarbeit unter den fünf Großen, wenn dem Fonds die erforderlichen Mittel fehlen. Wie er schneller als nach dem normalen Fahrplan damit versorgt werden kann, sollte in Kronberg geklärt werden.

Die Entwicklung in der Dritten Welt ist besorgniserregend. Vieles kam zusammen: Im Sog der beiden Ölpreisexplosionen ist international ein ge-Jährliches Gemisch aus Rezession, Preisverfall bei Rohstoffen, hohen Zinsen und allzu ehrgeizigen Entwicklungsprogrammen entstanden. Der Bezug zu den langfristigen Finanzierungsmöglichkeiten ist verloren gegangen. Aber die Banken, wie Lemminge in eine Richtung laufend, haben für die Finanzierung gesorgt Alle wollten beim Bau der Schuldenturme dabei sein, „wobei gelegentlich Expansion vor Sicherheit und Rentabilität ging“ (Bundesbankpräsident Karl Otto Pohl). Was dabei herauskam, zeigt die Graphik.