Hamburg

Er ist wieder da. "Jeden Tag von sieben bis sieben", sagt er. Und man braucht nur diesen einen Satz zu hören, um es herauszubekommen: Hier steht ein knorriger Ostpreuße inmitten seiner Weihnachtsbäume.

Emil Preuß heißt er, ist 72 Jahre alt und hat seit fünf Jahren seinen Stand an der Ecke Domstraße, den grünen Turm der Hamburger Petri-Kirche vor Augen, das Pressehaus nebenan. Seine Tannen halten Ordnung an dieser traditionsbeladenen Ecke der Hansestadt. Sie liegen nicht aufgestapelt zu einem unordentlichen Haufen; sie stehen da wie zu einer Schönheitskonkurrenz aneinandergereiht. "Der Kunde muß sehen, was er kauft."

Als die beiden Betrunkenen kamen und ihm die Bäume umschmissen, hat er aus seinem 14 Jahre alten Ford einen Gummiknüppel geholt und dem einen damit über die Finger genauen.

"Die waren weg wie die Feuerwehr", erzählt er, und er läßt den Gummiknüppel noch einmal zur Demonstration durch die Luft sausen, "Manchmal wünsche ich mir, ich wäre noch mal fünfundzwanzig; aber ich fühle mich auch so kräftig genug."

Eine Pelzmütze und darunter ein von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht; Eine Brille, die für den Betrachter nach kurzer Zeit unwichtig wird, weil die Augen dahinter blitzen. Eine gefütterte Jacke, darüber eine gelbe Gummischürze. Eine Lederhose ("fassen Sie mal an, wie warm die ist") und bloße Hände, die so schwielig sind, daß keine Nadelspitze da durchdringen kann.

Etwa 450 Bäume hat er hier an der Ecke Domstraße aufgestellt. Er hat sie daheim in Kutenholz vor den Toren Hamburgs, wo er einen Hof hat, selbst gepflanzt und nun geschlagen. Stück für Stück. Und wenn er die Bäume verkauft, dann ist das für ihn keine Wegwerfware.