Es war nicht technologischwissenschaftliche Hybris, die den amerikanischen Chirurgen William de Vries am vorigen Mittwoch in Salt Lake City zum Skalpell greifen ließ, um das verbrauchte Herz seines Patienten Barney Clark zu entfernen. Es war ein lange geplanter und dennoch verzweifelter Versuch, den unvermeidlichen Tod mit großem technischem Aufwand noch ein Stückchen hinauszuschieben. Über die psychischen, sozialen und ethischen Folgen eines Lebens mit Kunstherz nachzudenken, blieb nicht viel Zeit.

Clark, der erste Patient, dem auf Dauer – wie kurz diese auch sein mag – ein künstliches Herz eingepflanzt wurde, hatte nur die Wahl zwischen dem Grab und einem Leben am Schlauch. Denn "Jarvik-7", das faustgroße Aggregat des jungen de-Vries-Kollegen Robert Jarvik, muß über einen fast zwei Meter langen Schlauch mit einem transportablen Druckluft-Kompressor verbunden sein, am achtzigmal in der Minute, leise tickend, Clarks Blut umzuwälzen.

Das Kunstherz wird immer ein letzter, verzweifelter Versuch zur Lebensverlängerung sein. Es sollte uns daran erinnern, wie phantastisch unsere natürliche Blutpumpe funktioniert; sie schläft im Laufe eines Lebens rund dreimilliandermal, ohne daß wir auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden. GH