Leben jenseits der 100-Grad-Celsius-Grenze hat der Regensburger Mikrobiologe Professor Karl Stetter entdeckt – in den Gewässern vor der süditalienischen Insel Vulcano während seines letztjährigen Urlaubs. In zwei bis zehn Meter Tiefe maß Stetter, wie er im britischen Fachblatt Nature vom 18. November und letzte Woche bei einer Pressekonferenz berichtete, Temperaturen bis zu 103 Grad Celsius (wegen des Drucks kocht das Wasser nicht). Die Proben aus der Tiefe verschloß der Forscher mit Hilfe seiner Frau Heidi, ebenfalls Mikrobiologin, in sauerstofffreien Flaschen. Im Labor und unter dem Elektronenmikroskop konnte Stetter dann in aller Ruhe studieren, was er auf dem höllisch heißen Meeresboden vor Vulcano vermutet hatte: urtümliche Bakterien, vielleicht eine neue Gruppe der Archäbakterien, jenen mutmaßlich ältesten Lebensformen aus der Urzeit der Erde (siehe ZEIT Nr. 21/1982). Die flachen, unregelmäßig geformten Mikroben haben einen Durchmesser von 0,3 bis 2,5 Tausendstel Millimeter. Sie scheinen hervorragend an das Leben in kochendheißem, schwefelhaltigem Wasser angepaßt zu sein: Im Labor wuchsen sie bei 105 Grad Celsius optimal, unter 80 Grad freilich überhaupt nicht: GH