Von Jes Rau

Das Schlimmste ist bald überstanden. Der Aufschwung wartet an der Jahresecke. Und wenn es wieder Frühling wird, summt man in der amerikanischen Baubranche und in der Autoindustrie vielleicht die Melodie des Schlagers "Happy days are here again".

In den vergangenen Wochen hat sich die Stimmung in diesen beiden Schlüsselbranchen der US-Wirtschaft deutlich verbessert. Die Autokonzerne in Detroit haben im November 35 Prozent mehr Autos verkauft als im gleichen Monat vor einem Jahr. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, können die US-Hersteller mit einem jährlichen Absatz von 7,5 Millionen Personenwagen rechnen. Verglichen mit den knapp zehn Millionen Straßenkreuzern, die die Autokonzerne in der guten alten Zeit Anfang der siebziger Jahre an den Mann brachten, nimmt sich diese Zahl zwar bescheiden aus. Aber dank der Modernisierung in der Produktion dürften nicht nur General Motors, sondern auch Ford und Chrysler bei diesem Absatzniveau Gewinn machen – zumal wenn sich Japans Hersteller weiterhin "freiwillig" beim Export in die USA zurückhalten.

Daß sich die Perspektiven in der Baubranche Amerikas noch vor Jahresschluß aufhellen würden, hatte fast niemand erwartet. Baufirmen sind selbst überrascht, daß die so lange ausgebliebenen Käufer plötzlich wieder aufgetaucht sind. Landauf, landab haben die Bauunternehmen im Oktober und November zwischen zwanzig und fünfzig Prozent mehr leerstehende Neubauten losgeschlagen als in den Monaten zuvor. Die Halde unverkaufter Häuser ist augenblicklich kleiner als in allen Jahren seit 1972.

Die Baulust ist auch schon wieder erwacht. Die sogenannten "Baubeginne" liegen derzeit dreißig Prozent und die Baugenehmigungen sogar sechzig Prozent über dem Vorjahresniveau. Trotzdem wird es 1982 alles in allem nur wenig mehr als eine Million neu begonnener Bauten geben. Neben 1981 wird damit dieses Jahr für die US-Bauindustrie zum schlechtesten seit Kriegsende. Aber wenn die jetzt erwachte Baulust anhält, werden 1983 etwa 1,5 Millionen Bauten in Angriff genommen.

So wie die Autoindustrie hat auch die Baubranche schon bessere Zeiten gesehen. In vergangenen Boomphasen wurden jährlich zwei Millionen Häuser in den USA hochgezogen. Aber die für 1983 zu erwartende Bautätigkeit reicht aus, um in der Branche für eine solide Erholung und für neuen Optimismus zu sorgen – ohne daß die Preise gleich wieder in schwindelnde Höhen schießen.

Die Baubranche und die von ihr abhängigen Industrien – zu denen zum Beispiel die Möbelindustrie und die Hersteller von Haushaltsgeräten gehören – schaffen etwa 35 Prozent des amerikanischen Sozialproduktes, die Autoindustrie etwa fünfzehn Prozent. Wenn es mit diesen beiden Branchen wieder bergauf geht, sind deshalb die Weichen für die gesamte Wirtschaft der Vereinigten Staaten gestellt: raus aus der Rezession!