Bei den meisten Banken zeichnen sich für 1982 Rekordergebnisse ab. Doch nicht nur bei den Einnahmen. Noch nie wurden die Bilanzen von einer so hohen Risikovorsorge geprägt.

Das Banken-Geschäftsjahr 1982 wird geprägt durch gute, zum Teil sogar ausgezeichnete Betriebsergebnisse und durch einen hohen Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen. Beides muß zusammen gesehen werden und es fügt sich glücklich, daß beides zeitlich zusammenfällt.

Es mag irritieren, daß das Wachstum der Erträge bei praktisch stagnierendem Kreditgeschäft erzielt worden ist. Und daran schließt sich sofort der Vorwurf an, die Banken hätten die Diskontsenkungen dieses Jahres nicht voll an ihre Kundschaft weitergegeben, sondern sie dazu benutzt, ihre eigene Ertragslage zu stabilisieren. Einer Behauptung, der auf den Herbstpressekonferenzen der drei Großbanken, auf denen über die in den ersten zehn Monaten dieses Jahres erreichten Ergebnisse berichtet wurde, nachdrücklich widersprochen wurde.

Es gibt aber keinen Zweifel, daß Banken in ihrem Kreditgeschäft bei sinkenden Zinsen besser verdienen als bei umgekehrter Zinsbewegung. Denn Einlagenzinsen lassen sich nun einmal rascher der veränderten Situation anpassen als die Zinsen herausgelegter Kredite. Tatsächlich haben die Banken im "Einkauf" fremder Gelder, also bei der Refinanzierung ihres Geschäftes, die größten Erfolge erzielt. Bei der Commerzbank und der Dresdner Bank geschah dies beinahe zwangsläufig. Denn bei ihnen machte der Abschmelzungsprozeß der in der letzten Niedrigzinsphase falsch refinanzierten Festzinskredite deutliche Fortschritte. Ersatzkredite wurden zu marktgerechten Konditionen gewährt und ihre Refinanzierung zu den heutigen Bedingungen vorgenommen.

Wie sehr aber die Fehler der Vergangenheit das Geschäft von heute noch prägen, zeigt die unterschiedliche Höhe der Zinsmarge an, mit der die drei Großbanken zur Zeit arbeiten. Mit 3,16 Prozent steht die Deutsche Bank weit an der Spitze. Der Vorstand der Deutschen Bank hatte die Zinsentwicklung am Ende der Niedrigzinsphase richtiger beurteilt als die beiden Konkurrenzinstitute. Bei ihr macht die Zinsmarge jetzt 3,16 Prozent aus. Bei der Dresdner Bank beträgt sie 2,7 Prozent, bei der Commerzbank 2,18 Prozent, also knapp einen Prozentpunkt unter der Marge der Deutschen Bank. Und das muß sich eben auch im Ergebnis niederschlagen.

Theoretisch könnte die Bank aus ihrer inneren Stärke heraus einen mörderischen Wettbewerb um die Anteile des Kreditgeschäftes eröffnen. Tatsächlich hat sie gelegentlich bei den Kreditkonditionen den Ton angegeben. Aber das behaupten die Sprecher der Konkurrenten von ihren Banken auch. Es besteht aber wohl kein Zweifel, daß sich alle Kreditinstitute in einem Boot sitzend fühlten und danach trachteten, den Konkurrenzkampf über die Konditionen nur behutsam zu führen.

Das ist kein Wunder. Denn alle haben mit ihrem nationalen und internationalen Kreditgeschäft die gleichen Probleme. Alle werden sie von der immer noch anschwellenden Welle inländischer Insolvenzen betroffen und alle bangen um große Teile ihrer Auslandskredite. Dafür muß in den Bilanzen Vorsorge getroffen werden.