Trotz der sich weiter verschlechternden wirtschaftlichen Situation in der Bundesrepublik verzeichnet der deutsche Aktienmarkt wieder neue Jahreshöchstkurse. Die Anleger haben nicht die Gegenwart oder die nahe Zukunft im Blick. Sie setzen vielmehr darauf, daß gegen Ende kommenden Jahres – von den USA ausgehend – eine langsame wirtschaftliche Wiederbelebung bei steigenden Ertragschancen der Unternehmen erfolgen wird. Da gleichzeitig die Zinsen sinken, werden die Voraussetzungen für weitere Kurssteigerungen am Aktienmarkt als gut bezeichnet.

Dieser Meinung waren in den letzten Tagen auch ausländische Investoren, die sich verstärkt um deutsche Spitzenpapiere gekümmert haben. Sie sind in erster Linie für die zeitweisen lebhaften Börsenumsätze verantwortlich, Die deutschen Aktienkäufer stoßen sich teilweise an dem Wahltermin im März. Sie meinen, daß es leichtfertig ist, sich in der Bundesrepublik finanziell zu engagieren, solange nicht feststeht, daß die heutige Bundesregierung auch nach den Wahlen im Amt bleiben wird.

Diese Unsicherheit kommt dem Rentenmarkt zugute. Hier haben sich die Renditen im zehnjährigen Laufzeitbereich nach der jüngsten Diskontsenkung auf unter acht Prozent eingependelt. Rentenkäufer waren nicht nur Inländer. Zunehmend fließt auch wieder Material ins Ausland ab, das davon ausgeht, daß die Mark gegenüber dem Dollar künftig eine stärkere Stellung einnehmen wird. Denn der Dollar gerät wegen des hohen Handels- und Leistungsbilanzdefizites der USA zunehmend unter Druck. Inländische Investoren, die bislang Dollar-Anlagen wegen der bei ihnen zu erzielenden hohen Verzinsung und des steigenden Dollar-Kurses bevorzugt hatten, kümmern sich wieder mehr um Papiere, die auf Mark lauten. K. W.