Hans Fenske / Dieter Mertens / Wolfgang Reinhard / Klaus Rosen: "Geschichte der politischen Ideen. Von Homer bis zur Gegenwart". Das Fehlen einer deutschsprachigen Gesamtdarstellung der politischen Ideengeschichte hat sich seit langem schmerzlich bemerkbar gemacht. Die bisher vorliegenden Arbeiten sind fast ausnahmslos an den großen philosophischen Denkern und deren politischen Philosophien orientiert – mit der Folge, daß die Geschichte der politischen Ideen zu einer Unterabteilung der Philosophiegeschichte geworden ist. Ausgespart blieb in diesen Darstellungen die gerade für die politische Ideengeschichte außerordentlich wichtige Vermittlung und Verbreitung zentraler Theorien durch die politische Publizistik (Flugschriften, politische Gutachten), die als das eigentliche, Verbindungsglied zwischen Politik, Sozialgeschichte und politischer Ideengeschichte angesehen werden kann.

Diese Lücke ansatzweise geschlossen zu haben, ist das Verdienst dieses Buches. Es ist die zur Zeit vollständigste und modernste deutschsprachige Darstellung der politischen Ideengeschichte. Daß bei der breit angelegten Thematik einzelne Bereiche herausragen, andere dagegen etwas abfallen, ist selbstverständlich; bedauerlich ist allein, daß die politische Ideengeschichte des Hellenismus und der spätrömischen Kaiserzeit – wieder einmal – fast völlig ausgespart worden ist. Dies wird freilich mehr als aufgewogen durch die geschickt strukturierte und "angesichts der Vielgestaltigkeit des Gegenstandes überaus gelungene Darstellung der politischen Ideen des Mittelalters.

So bleibt als einziger gravierender Mangel des Buches festzuhalten, daß es nur am Rande auf die sozialgeschichtlichen Vermittlungen und Grundlagen ideengeschichtlicher Entwicklungen eingegangen ist. Dadurch wird die politische Stoßrichtung mancher Ideen und Theorien nicht immer hinreichend deutlich. Dennoch: Hier ist eine zuverlässige Gesamtdarstellung politischer Ideengeschichte vorgelegt worden (Athenäum Verlag, Königstein/Ts., 542 S., DM 84,–) Herfried Münkler